Christian Huber

Onafhankelijk van geboortedata

De Duitse schrijver, componist en muziekproducent Christian Huber werd geboren in 1984 in Regensburg en groeide op in Schwandorf, waar hij in 2004 eindexamen deed aan het Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Na een afgebroken studie aan de universiteit van Regensburg en een stage in het Funkhaus Regensburg, verhuisde hij eind 2010 naar Berlijn. Hier woonde en werkte hij als schrijver en componist en werkte hij o.a. met de Australische hiphop-band Hilltop Hoods, de Duitse rappers Casper, Farid Bang en KC Rebel en de Amerikaanse rapper Kool G Rap samen. Sinds 2006 woont Huber in Keulen. Huber is sinds 2009 actief op Twitter onder de naam “Pokerbeats”, waar hij wordt gevolgd door meer dan 38.500 gebruikers. Huber schrijft ook voor talloze comedy-programma’s en levert bijdragen voor radio- en televisieprogramma’s (bijvoorbeeld voor het Neo-magazine Royale op ZDF). Zijn columns verschenen u. a. bij VICE News, ICON en in de krant DIE WELT. Muziek, gecomponeerd door Huber bereikte hoge hitlijstposities in verschillende landen en werd herhaaldelijk bekroond met platina.

Uit: 7 Kilo in 3 Tagen

„73 Prozent aller Morde jährlich werden in den Tagen vor Weihnachten begangen.
Das stimmt natürlich nicht. Wäre aber ohne weiteres denkbar. Eine solche Behauptung würde in einem halblangweiligen Partysmalltalk in einer mit Pfandflaschen zugestellten WG-Küche bei den meisten Gesprächspartnern höchstens kurz zu erhobenen Augenbrauen und dann direkt zur Bekräftigung führen, das «auch schon mal irgendwo gelesen» zu haben. Alle haben alles schon mal irgendwo gelesen. Aber vielleicht ist diese von mir aufgestellte These ja sogar korrekt. Ist mir letztendlich auch egal. Solange während der Unterhaltung keiner zweifelt, ist jeder ausgetauschte Satz die erwiesene Wahrheit.
Ich habe mir das Statistiken-Erfinden irgendwie angewöhnt. Ich mache das gerne. Häufig einfach nur für mich. Das hilft mir, in gewissen Lebenslagen die Ruhe zu bewahren. Fakten, Zahlen und Berechnungen bringen mich in Stresssituationen runter. Turbulenzen im Flugzeug? Beim Crash einer Boeing zu sterben, ist sechs Millionen Mal unwahrscheinlicher, als als Lottogewinner von einem Blitz
getroffen zu werden. Ein bisschen Gras aus dem Amsterdam-Urlaub im Handgepäck? Die Chancen, ohne Taschenkontrolle am argwöhnisch blickenden Zollbeamten vorbeihuschen zu können, stehen für Nicht-Dreadlocks-Träger siebzigtausendmal besser, als rückwärts von der Mittellinie in einen Basketballkorb zu treffen, wenn gerade tatsächlich jemand zuguckt. Tötungsphantasien im überhitzten, mit Weihnachtshoppern überlaufenen Kaufhaus und der daraus resultierende Gedanke, ob man eventuell socially awkward sein könnte? Wenn 73 Prozent aller Morde jährlich in den Tagen vor Weihnachten begangen werden, haben offensichtlich neben mir noch sehr viele andere Menschen Gewaltvorstellungen, während sie die Geschenke für ihre Liebsten einpacken lassen. Ich bin also nicht allein.
Kein Sonderling, der einfach nur mit blinder Wut kompensiert, dass ihm in der Kassenschlange des Konsumpalastes eine laut in ihr Smartphone blökende Schicki-Mutter ihren eierschalenfarbenen Porsche-Kinderwagen in die Kniekehlen rammt. Im Dreivierteltakt. Gegen den Rhythmus von
«Jingle Bells», das mit festlichen Viervierteltakt-Glöckchen blechern über die Kaufhausanlage leiert. Noch eine halbe Strophe, und sie hat mein Kreuzband durch.“

 
Christian Huber (Regensburg, 1984)