Thomas Melle

De Duitse schrijver Thomas Melle werd geboren op 17 maart 1975 in Bonn, waar hij ook opgroeide. Na zijn eindexamen gymnasium in 1994 aan de Jezuïeten school in Bad Godesberg begon Melle in Tübingen aan een studie Algemene en Vergelijkende Literatuurwetenschap en filosofie. Van daar ging hij naar Austin (Texas), waar hij cursussen in Creatief Schrijven volgde en het werk van William T. Vollmann leerde kennen. Later stapte hij over naar de Vrije Universiteit van Berlijn. In 2004 rondde hij zijn studie daar af met een proefschrift over William T. Vollmann. Zijn literaire carrière begon Melle als toneelschrijver. In 2004 schreef hij samen met schrijver Martin Heckmann het stuk “4 Millionen Türen”, dat in het Deutsche Theater in Berlijn in première ging. Daarna volgden eigen stukken zoals “Haus zur Sonne” (2006, première Erlangen) en “Licht frei Haus” (2007, première Karlsruhe). Sinds 1997 woont hij in Berlijn. Melle is auteur van verhalende werken, gedichten, toneelstukken en hoorspelen, en vertaalt ook vanuit het Engels. In 2008 ontving hij de Förderpreis zum Bremer Literaturpreis, in 2009 de Förderpreis van de deelstaat Noordrijn-Westfalen. Melles roman “Sickster” werd genomineerd voor de Deutsche Buchpreis 2011. Zijn in 2014 gepubliceerde roman “3000 Euro” haalde de shortlist van de Deutsche Buchpreis. Met deze roman had de schrijver zich voorgenomen “in verzet te komen tegen de burgerlijke familieroman”. Uit de kritieken en uit de nominatie bleek dat hij een punt had.

Uit: 3000 Euro

„Da ist ein Mensch drin, auch wenn es nicht so scheint. Unter den Flicken und Fetzen bewegt sich nichts. Die Passanten gehen an dem Haufen vorbei, als wäre er nicht da. Jeder sieht ihn,aber die Blicke wandern sofort weiter.ZweiFlaschen stehen neben dem Haufen, trübe und abgegriffen. Die Sonne knallt herunter. Es riecht streng, nach Urin, nach Säure und frühem Alter.
Anton träumt einen dünnen Traum, in ihm sind alle Arschlöcher weg. Jana betritt sein Zimmer, oder ist es eine industrielle Höhle; Anton muss eine Maschine bedienen, die etwas stanzt, Geldscheine aus Blech, vielleicht. Jana, sein Jugendschwarm, hockt sich zu ihm nieder und lächelt mit großen Augen. Ihr Hemd steht offen, halb sind die Brüste sichtbar. Anton nickt. Jana legt sich zu ihm, sie reden. Noch berühren sie sich nicht.
Wenn Anton träumt in diesen Wochen, dann von den alten Zeiten, die es so nie gab. Alternative Versionen seiner Jugend: Das Personal ist zwar dasselbe, aber die Ereignisse sind komplett irreal. Er schläft mit den Mädchen, die er nie haben konnte, errettet die Freunde, die nicht mehr Teil seines Lebens sind, erfeiert die Erfolge, die er nie hatte.Treibgut aus der Zeit, als noch alles möglich schien.
Der Haufen rührt sich. Die Passanten gehen weiter dran vorbei, machen teils einen größeren Bogen. Anton merkt, dass er aufwacht, gegen seinen Willen. Die Traumbilde werden durchsichtig, lösen sich auf. Jana ist weg, bevor er sie berühren konnte, die Maschine ist auch weg. Der Traumkanal schließt sich. Anton ärgert sich. Der Schlaf ist alles, was er noch hat. Er hält die Augen geschlossen, Schweiß läuft ihm die Wange hinunter. Noch nicht, denkt er, noch nicht, und versucht, den Schlaf zu verlängern.“

  
Thomas Melle (Bonn, 17 maart 1975)