De Poolse schrijver en journalist Henryk Sienkiewicz werd geboren in Wola Okrzejska op 5 mei 1846. Zie ook alle tags voor Henryk Sienkiewicz op dit blog.
Uit: Quo Vadis? (Vertaald door Paul Seliger)
“Nach jenem Gastmahl also, bei dem er, der Narrenpossen des Vatinius müde, mit Nero, Lucan und Seneca über das Thema disputiert hatte, ob das Weib eine Seele besitze, war er spät
aufgestanden und erfrischte sich nun wie gewöhnlich in seinen Bädern. Zwei hünenhafte Balneatoren legten ihn gerade auf einen Tisch aus Zypressenholz, der mit schneeweißem ägyptischen Byssus bedeckt war, und begannen mit ihren in wohlriechendes Olivenöl getauchten Händen seinen schöngeformten Leib zu massieren, während er mit geschlossenen Augen wartete, bis die Wärme des Laconicums und die ihrer Hände in ihn eindrang und alle Mattigkeit vertrieb.
Doch nach einer Weile bekam er Lust zu reden. Er schlug die Augen auf und erkundigte sich zuerst nach dem Wetter, dann nach den Gemmen, die der Juwelier Idomeneus ihm zur Ansicht zu schicken versprochen hatte. Er erfuhr, das Wetter sei prächtig, ein sanfter Wind wehe von den Albaner Bergen
her und die Gemmen seien noch nicht eingetroffen. Petronius schloß abermals die Augen und befahl, ihn ins Tepidarium zu bringen, als plötzlich der Kopf des Nomenclators hinter dem Vorhang auftauchte und ihm meldete, daß der junge Marcus Vinicius, der gerade aus Kleinasien zurückgekehrt war, ihm
einen Besuch abstatten wolle. Petronius befahl, den Gast ins Tepidarium zu führen, wohin er sich auch selbst begab. Vinicius war der Sohn seiner älteren Schwester, die sich vor Jahren mit Marcus Vinicius, einem Konsular aus der Zeit des Tiberius, vermählt hatte. Der Jüngling hatte soeben unter Corbulo im Kampf gegen die Parther gedient und kam nun, da der Krieg fürs erste beendet war, nach Rom zurück. Petronius empfand eine gewisse, an Zuneigung grenzende Schwäche für ihn, denn Marcus war ein schöner und athletischer Mann, der es verstand, in seinen Ausschweifungen ein ästhetisches Maß zu halten, was Petronius überaus schätzte.”

Henryk Sienkiewicz (5 mei 1846 – 15 november 1916)
Buste in de kerk “Domine Quo Vadis?” aan de Via Appia Antica in Rome
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