Heinrich Böll, Ted van Lieshout, Rolf Lappert, Thomas Hürlimann, Uwe Dick

De Duitse schrijver Heinrich Böll werd geboren op 21 december 1917 in Keulen. Zie ook alle tags voor Heinrich Böll op dit blog.

 

Uit: Nicht nur zur Weihnachtszeit

„Im September 1914 wurde in eine der roten Bromberger Backsteinkasernen ein Mann namens Joseph Stobski eingezogen, der zwar seinen Papieren nach deutscher Staatsbürger war, die Muttersprache seines offiziellen Vaterlandes aber wenig beherrschte. Stobski war zweiundzwanzig Jahre alt, Uhrmacher, auf Grund »konstitutioneller Schwäche« noch ungedient; er kam aus einem verschlafenen polnischen Nest, das Niestronno hieß, hatte im Hinterzimmer des väterlichen Kottens gehockt, Gravüren auf Doublé-Armbänder gekritzelt, zierliche Gravuren, hatte die Uhren der Bauern repariert, zwischendurch das Schwein gefüttert, die Kuh gemolken – und abends, wenn Dunkelheit über Niestronno fiel, war er nicht in die Kneipe, nicht zum Tanz gegangen, sondern hatte über einer Erfindung gebrütet, mit ölverschmierten Fingern an unzähligen Rädchen herumgefummelt, sich Zigaretten gerollt, die er fast alle auf der Tischkante verkohlen ließ während seine Mutter die Eier zählte und den Verbrauch an Petroleum beklagte.

Nun zog er mit seinem Pappkarton in die rote Bromberger Backsteinkaserne, lernte die deutsche Sprache, soweit sie das Vokabularium der Dienstvorschrift, Kommandos, Gewehrteile umfaßte; außerdem wurde er mit dem Handwerk eines Infanteristen vertraut gemacht. In der Instruktionsstunde sagte er Brott statt Brot, sagte Kanonn statt Kanone, er fluchte polnisch, betete polnisch und betrachtete abends melancholisch das kleine Paket mit den ölverschmierten Rädern in seinem dunkelbraunen Spind, bevor er in die Stadt ging, um seinen berechtigten Kummer mit Schnaps hinunterzuspülen.“

 

Heinrich Böll (21 december 1917 – 16 juli 1985)

 

De Nederlandse dichter en schrijver Ted van Lieshout werd geboren op 21 december 1955 in Eindhoven. Zie ook mijn blog van 21 december 2008 en ook mijn blog van 21 december 2009 en ook mijn blog van 21 december 2010.

Boekje open

hoe ga ik open als een boek?
ik wil mezelf eens lezen,
bladeren en kijken
hoeveel pagina’s ik tel.
of ik een sprookje ben
of meer een studieboek.
zou ik mij kopen?
lenen bij de bieb?
alleen stiekem lezen
hoe ik afloop en zachtjes
terugzetten in de kast?

 

Dood

Mijn vader ging dood –
ik was toen zeven –
dat was heel erg, maar
erger was:
die ochtend had ik hem
geen kus gegeven.

Ik kwam die dag voor
de eerste maal
van school thuis met
een tien voor taal:
had hij geen dagje
kunnen wachten?

Later ging ook nog mijn
broertje dood.
Ik heb gehuild, kon hem
niet missen,
‘k was toen al banger
voor de dood.

Ik heb van hem een foto
en angstig ben ik nog
het meest
dat als ik ouder word
geen mens meer zien zal
dat wij broertjes zijn
geweest.

En als er écht een hemel
is en als ik daar dan
woon,
dan is mijn vader net
mijn broertje
en mijn broertje net
mijn zoon.

Ted van Lieshout (Eindhoven, 21 december 1955)

 

De Zwitserse schrijver Rolf Lappert werd geboren op 21 december 1958 in Zürich. Zie ook mijn blog van 21 december 2008 en ook mijn blog van 21 december 2009 en ook mijn blog van 21 december 2010

 

Uit: Nach Hause schwimmen

Orla musste sie nur anrufen, dann schickte Deirdre, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern noch immer in Galway lebte, den gewünschten Betrag per Post. Schon oft hatte Orla sich vorgestellt, nach Galway zu fahren, alles Geld abzuheben und damit ein neues Leben zu beginnen, irgendwo weit weg. Dann hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie im Angesicht Gottes einen Schwur geleistet hatte, ihren Mann nicht zu verlassen, bei ihm zu bleiben in guten wie in schlechten Tagen. Dass die guten Tage so schnell vorbei sein und die schlechten den Rest ihres Lebens ausmachen würden, hatte sie damals nicht ahnen können. Jetzt war sie froh, dass sie die ganzen Jahre neben Eamon ertragen hatte. Denn jetzt hatte sie Wilbur.
Wenn das Wetter es zuließ, verbrachten Orla und Wilbur den ganzen Tag in ihrem ummauerten Paradies. Im Sommer saßen sie im Schatten unter dem Vordach, das neben dem Küchenfenster aus der Hauswand ragte und an dessen Holzbalken wilder Wein rankte. Meistens spielte im Hintergrund das Radio, und Orla summte oder sang zu den Liedern mit, was Wilbur entzückte. Jeden Tag bauten sie im Sandkasten eine neue Stadt aus Steinen und Holzstücken, Blättern und Moos und was sie sonst noch fanden. Vogelfedern schmückten Türme, Muscheln bedeckten wie Kopfsteinpflaster die Straßen, und das Haus auf dem Hügel oder am Fluss zierte immer ein Seestern, den Wilbur an Orlas Hand in der Bucht gefunden hatte. In diesem Haus wohnten Wilbur und Orla, und es war immer das schönste der ganzen Stadt.
Regnete es, verbrachten die beiden den Tag in Wilburs Zimmer. Auch hier bauten sie Städte, nur waren die Häuser jetzt aus Pappe und die Türme leere Marmeladengläser. Orla hatte Wilbur ein Spielzeugauto geschenkt, ein rotes ohne Dach, aber Wilbur zeigte kein Interesse daran und parkte es am ersten Tag unter dem Bett, wo es fortan blieb. Was der Junge jedoch innig liebte, waren die Indianerfiguren aus Plastik, die Orla von einer Nachbarin, deren Sohn nach Australien ausgewandert war, geschenkt bekommen hatte.”

 

Rolf Lappert (Zürich, 21 december 1958)

 

De Zwitserse schrijver Thomas Hürlimann werd geboren op 21 december 1950 in Zug. Zie ook mijn blog van 21 december 2008 en ook mijn blog van 21 december 2009 en ook mijn blog van 21 december 2010


Uit:
Fräulein Stark

Mein Onkel war Stiftsbibliothekar und Prälat, seine Hüte hatten eine breite, runde Krempe, und gedachte er die Blätter einer tausendjährigen Bibel zu berühren, zog er Handschuhe an, schwarz wie die Dessous meiner Mama. An Bord unserer Bücherarche, sagte der Onkel, haben wir schlicht und einfach alles, von Aristoteles bis Zyste.
Wie ein Zirkusclown hatte er einige Nummern einstudiert, und seine Lieblingsnummer ging so: Am Anfang war das Wort, sprach der hochwürdige Stiftsbibliothekar, dann kam die Bibliothek, und erst an dritter und letzter Stelle stehen wir, wir Menschen und die Dinge. Dabei zeigte er zur Decke, wohl auf Gott, dann auf sich, die Bibliothek, und war vom Dritten und Letzten die Rede, ließ er den Blick in die Runde schweifen, von einer Besucherin zur andern.
Keiner erklomm so elegant wie mein Onkel die Altarstufen, die Meßgewänder mit der Linken raffend, wobei seine Schnallenschuhe unter den rotseiden aufleuchtenden Rocksäumen hervortanzten, und wer je erlebt hat, wie er als Meßpriester das Wandlungswort jubelnd, ja verzückt zum Altarbild hinaufschmetterte, senkte erschrocken, fast ein wenig angewidert den Blick. Am Schluß der Messe wurde man mit einem donnernden Itemissa-est! aus dem Dösen gerissen, dann mit Weihwasser naßgespritzt, und war der Herr Stiftsbibliothekar in Frohlaune, rauschte er gleich nach dem Segen quer durch das Schiff zur Orgel empor, die Pfeifen tuteten los, der Boden erzitterte, und weder das Fräulein Stark, seine Haushälterin, noch die Hilfsbibliothekare wären erstaunt gewesen, wenn der gewaltige Orgelsturm die Kuppeln der Kathedrale abgehoben und wie Ballone über das Alpsteingebirge davongeweht hätte.”

 

Thomas Hürlimann (Zug, 21 december 1950)

 

De Duitse schrijver Uwe Dick werd geboren op 21 december 1942 in Schongau. Zie ook mijn blog van 21 december 2008 en ook mijn blog van 21 december 2010

 

Uit: Sauwaldprosa

Und die Sauwäldler, das sind die »Riaßler«. Überkommene Namen. Zu Olims Zeiten nämlich schnoberten hier riesige Rudel von Paarzehern durchs Holz und brachen hervor mit Gegrunz und Röff-Röff, zur Unzeit die Felder zu pflügen. Nun, die Sauen gingen zurück, wie es in der Forstamtssprache heißt – man schoß sie ab, bis auf ein paar überlebende Glücksschweine – die Sauen gingen …und die Namen blieben.

Namen saan Schicksal, sagt der in Eisenbirn, an einen Holzapfelbaum gelehnt. I hoaß Krieger – und hob zwoamoi eirucka miassn. Der Dachdecker, bei dem wo i glernt hob, hot si Schindler gnennt. Da war bloß dees L zvui; dees hob i oiwei hergnomma für mei Leckmi. Und mei Oide war a geborene Jung, und is aa jung gstorbm! Ein Seufzer, ein Blinzeln hinauf gegen den Krönungshimmel, in dem ein Rüttelfalke lauert, dann ein – trotz Innviertler Lid6 namen saan schicksal spaltenentzündung! – zwingend imperativer Blick, unter dem die schiefste aller Weltformeln jahrzehntelang unangefochten bliebe, ein Runzeln der Stirne und das Beiseitewischen, was red ich, das Durchsäbeln aller möglichen Einwände mit der Handkante: Namen saan Schicksal. Aus und Amen. Beweise brauchts do nimmer!“

 

Uwe Dick (Schongau, 21 december 1942)

 

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 21e december ook mijn vorige blog van vandaag en eveneens mijn eerste blog van vandaag.