Deutscher Buchpreis 2018 voor Inger-Maria Mahlke

Deutscher Buchpreis 2018 voor de romanArchipel” van Inger-Maria Mahlke

De winnares van de Deutscher Buchpreis 2018 is Inger-Maria Mahlke. Zij krijgt deze prijs voor haar roman “Archipel”.

De Duitse schrijfster Inger-Maria Mahlke werd geboren in 1977 in Hamburg en groeide op in Lübeck. Zij studeerde vervolgens rechten aan de FU in Berlijn, waar ze werkte bij de afdeling Criminologie. In 2005 nam ze deel aan een auteursworkshop met Herta Müller, in 2008 in het auteursatelier van de Jürgen Ponto Stichting en in 2009 in de auteursworkshop van het literaire colloquium Berlijn. In hetzelfde jaar won ze de 17e Open Mike. Aan het tweede deel van haar debuutroman “Silberfischchen” schreef ze 16 uur per dag van januari tot maart 2010. In 2012 verscheen haar tweede roman “Rechnung offen”, in 2015 gevolgd door “Wie Ihr wollt”. In 2010 won Inger-Maria Mahlke de Klaus-Michael Kühne-Preis des Harbour Front Literaturfestivals in Hamburg, die voor de eerste keer werd uitgereikt en waarmee een bedrag van 5.000 euro verbonden is. De redenering luidt: Mahlke woont in Berlijn. Zij is lid van het PEN-centrum Duitsland. Op voorstel van Burkhard Spinnen nam Mahlke deel aan de prijsvraag voor de Ingeborg Bachmann-prijs 2012 en ontving zij de Ernst Willner-prijs. In 2014 ontving ze een van de zeventien beurzen voor schrijvers van de Kulturverwaltung des Berliner Senats en de Karl Arnold-prijs van de Academie voor Wetenschappen en Kunsten Noordrijn-Westfalen. In 2017 was Mahlke zeven maanden stadschrijfster van Magdeburg.

Uit: Archipel

“Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten, in La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad, um siebzehn Uhr siebenundzwanzig wird sie mit 31,3 Grad ihr Tagesmaximum erreichen. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte. Der Besuch der Ausstellung ist Anas Idee. Felipe hat nur eingewilligt, weil er seine Ruhe haben will, Rosa hat nur eingewilligt, weil sie ihre Ruhe will. Zwei Wochen ist das her, Ana hat am Tresen gesessen, gefrühstückt, die Post vom Nichtsowichtig-Stapel geöffnet, die beiden anderen sind zufällig in der Küche. Rosa, weil sie nicht genug süße Kondensmilch in ihren Kaffee getan hat, und Felipe, weil er eine Schere sucht. Wofür, will er nicht sagen. Ana nimmt einen Umschlag, liest laut: «80 Jahre surrealistische Konferenz von Santa Cruz.» Rosa beobachtet die Öffnung der Milchflasche, an der sich ein zäher, nur langsam dicker werdender weißlicher Tropfen sammelt, aber nicht fällt. Felipe schließt die Besteckschublade so, dass alles aneinanderstößt und -klirrt und es danach sehr still ist und er zu Ana hinüberblickt, nachsehen, ob sie wütend wird. Ana spießt ein Stück Papaya auf, steckt es in den Mund, zieht die Karte aus dem Umschlag, liest erneut: «80 Jahre surrealistische Konferenz von Santa Cruz … Lasst uns da hingehen», sagt sie. Felipe zieht stumm die nächste Schublade auf, Rosa schüttelt die Flasche, damit die Kondensmilch endlich herausrinnt und sie in ihr Zimmer zur zehnten Staffel Survivor, fünfte oder sechste Folge, zurückkann. Jeff Probst, der Moderator, hat gerade den Rettungshubschrauber gerufen, ein Teilnehmer hat sich beim Wettkampf – wer stößt den anderen zuerst von einem schmalen Steg ins Wasser – an der Schulter verletzt. Ana liest weiter: «1935 besuchte der berühmte Surrealist André Breton», sieht zu Rosa hinüber, unsicher, ob sie den Namen richtig ausgesprochen hat. Für Kunst ist Felipe zuständig, ich habe Verwaltungswissenschaften studiert, leitet Ana ihre seltenen Äußerungen zu dem Thema ein, und falls die beiden glauben, sie würde nicht bemerken, welche Blicke sie einander zuwerfen, wenn Ana erwähnt, sie habe irgendetwas schön gefunden, dann irren sie sich. Rosa rührt in der Tasse, betrachtet den weißen, schnell schmelzenden Hügel auf der Löffelspitze, rührt erneut, probiert den Kaffee, wünscht, ihre Mutter wäre endlich ruhig. Einfach rausgehen würde Diskussionen bedeuten, sie wartet, bis Ana wenigstens nicht mehr zu ihr guckt beim Lesen. «… die Konferenz der Surrealisten im Kreis der schönen Künste in Santa Cruz de Tenerife. Zum Gedenken an dieses Ereignis …» Rosa stößt gegen Felipe, der vor der Spüle kniet, den Mülleimer neben sich auf den Küchenfliesen.”

 
Inger-Maria Mahlke (Hamburg, 1977)