Maryse Condé, Kazys Bradūnas, Gerhard Kofler, Else Lasker-Schüler, Roy Fuller, Karoline von Günderrode

De Franse schrijfster Maryse Condé werd op 11 februari 1937 in Pointe-à-Pitre op Guadeloupe geboren. Zie ook alle tags voor Maryse Condé op dit blog.

Uit: Victoire (Vertaald door Peter Trier)

„Sie starb einige Jahre nach der Hochzeit meiner Eltern, bei meiner Geburt war sie schon recht lange tot.
Ich kenne von ihr nur eine sepiafarbene Fotografie von Cattan, dem besten Fotografen der damaligen Zeit. Sie stand auf dem Klavier, auf dem ich meine Tonleitern übte; die Frau, die darauf zu sehen war, trug ein Kleid mit breitem Spitzenkragen, das sie wie ein Schulmädchen aussehen ließ. Ein Eindruck, der durch ihre zierlichen Formen noch verstärkt wurde. Ihre winzigen Füße steckten in Lackschuhen mit Spangen wie bei einer Erstkommunikantin. Um ihren zarten Hals lag eine sogenannte grenn-d’ò-Kette aus Goldperlen. Wie alt war sie? War sie hübsch? Ich hätte es nicht zu sagen vermocht.
Jedenfalls blieb der Blick an ihr haften und konnte sich nicht wieder von ihr lösen.
Eines Tages, ich war sieben oder acht Jahre alt, hielt ich es nicht mehr aus:
»Mama, wie hieß Omama?«
»Victoire Élodie Quidal.«
Der Name erfüllte mich, die den Klang des eigenen Namens bedauerte, mit Bewunderung. Ich hasste vor allem meinen Vornamen, den ich läppisch fand. Maryse, die kleine Marie? Dieser Name war dagegen schwer wie eine bronzene Medaille. Volltönend. Ich insistierte:
»Was hat sie gemacht?«
»Sie hat sich verdingt.«
Vor Verblüffung setzte ich mich auf.
»Meinst du, sie war … ein Dienstmädchen?«, fragte ich ungläubig und voll Bedauern.“

 

 
Maryse Condé (Pointe-à-Pitre, 11 februari 1937)

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