De Spaanse schrijver Eduardo Mendoza werd geboren in Barcelona op 11 januari 1943. Zie ook alle tags voor Eduardo de Mendoza op dit blog.
Uit: Niemand im Damensalon (Vertaald door Peter Schwaar)
“Nach neun Tagen kam sie wieder, mit denselben Beinen. Wortlos setzte sie sich auf den Sessel, wies mit einer Handbewegung den Frisiermantel zurück und sagte, mir fest in die Augen blickend:
“Ich bin nicht wegen meiner Haare gekommen, sondern um mit dir über eine persönliche Angelegenheit zu sprechen. Macht es dir etwas aus, wenn ich dich duze? Das ist nur logisch in Anbetracht des persönlichen Charakters der Angelegenheit, auf die ich eben angespielt habe. Aber vorher muss ich wissen, ob ich für diese persönliche Angelegenheit und alle sich daraus ergebenden Konsequenzen auf dich zählen kann.”
“Ich werde tun, was in meiner Macht liegt,” antwortete ich, “vorausgesetzt, es ist nicht unvereinbar mit der Ethik der Coiffure.”
“Ich habe keine andere Antwort erwartet. Aber wir unterhalten uns besser nicht hier. Es kann jemand reinkommen und uns bei unserer Fühlungnahme stören. Wann hast du Feierabend?”
“Ein guter Friseur hat nie Feierabend, aber der Damensalon schließt um acht.”
“Um diese Zeit erwarte ich dich in der Kneipe gegenüber. Versetz mich nicht.”
Zur vereinbarten Stunde erschien ich zu unserer Verabredung. Sie war bereits dort, an einem Tisch im Hintergrund ins Einsaugen eines (vom Kellner der Kneipe) in eine Flasche abgefüllten Erfrischungsgetränks versunken, gleichgültig gegenüber allem um sie herum. Wortlos deutete sie auf den Stuhl. Ich setzte mich. Eine Weile schwiegen wir, sie dachte an ihre Dinge, und ich dachte ebenfalls an ihre Dinge. Das erlaubte mir, sie etwas aufmerksamer zu betrachten, so dass ich dem Leser eine nachträgliche Beschreibung liefern kann – auf ihre untere Hälfte bin ich ja schon andernorts zu sprechen gekommen.”

Eduardo Mendoza (Barcelona, 11 januari 1943)







