Daniela Dröscher, Fatma Aydemir

De Duitse schrijfster Daniela Dröscher werd geboren op 4 juni 1977 in München. Dröscher groeide op in Rijnland-Palts. Na Duits, filosofie en Engels te hebben gestudeerd in Trier en Londen, promoveerde zij in mediastudies aan de Universiteit van Potsdam op een proefschrift over de poëzie van Yōko Tawada. Ze publiceerde in tijdschriften en bloemlezingen. Van 2008 tot 2010 studeerde ze dramatisch schrijven aan de UniT Graz. In de FAZ van 18 september 2009 noemde Martin Halter haar eerste roman “Die Lichter der George Psalmanazar”, een dubbelbiografie van Samuel Johnson en de ‘Oriëntaalse fraudeur’ George Psalmanazar, een ‘barok rariteitenkabinet vol vreemde fata, hartverscheurende melancholie en slimheid.” Ze is lid van het PEN Center Duitsland. In 2022 stond haar roman “Lügen über meine Mutter” op de shortlist voor de Deutsche Buchpreis. Sinds december 2022 is Dröscher lid van PEN Berlin.

Uit: Die Lichter des George Psalmanazar

„Inmitten von dichten silbrigen Halmen, die über das Ufer bis ins Meer hinein wuchsen, lag, die Glieder weit von sich gestreckt, ein Mensch. Er hatte die Lider geschlossen. er lächelte. Die Luft roch nach Salz und Pinien. am Himmel zogen Möwen ihre Kreise, am Boden liefen Sterntaucher ihre Bahnen. Der einzige, der mit Gewissheit hätte Auskunft darüber geben können, ob der Mensch inmitten der Halme wach war oder schlief, war der Mensch selbst. niemand aber hätte ihn zu stören gewagt, auch dann nicht, als er langsam über das Gras hinweg und über das Ufer ins Wasser glitt. er trieb als stilles, leichtes Kreuz, vorbei an Bäumen, durch deren Geäst man die Wolken sah, und wenn der Wind in sie fuhr, fiel schütteres Laub auf ihn. er lag auf den Wellen, und erst als Sterne aus dem nachtblauen Tuch hervorgekrochen kamen, trieb er ans Ufer, legte sich ins Gras und fing zu schreiben an.
Der Mensch, der im Licht der aufgehenden Sonne sein Tagwerk begann, war George. George waren Sonne und Mond heilig. Wenn die kalte und die heiße Luft einander berührten und das Meer mit weich tanzenden Funken bedeckten, dann betete er. er betete, indem er die Hände gen Himmel reckte, mit der Stirn den Boden berührte und eine Geschichte, die er »Fata« nannte, hinauf zu den großen Lichtern sang. George liebte das Licht, aber seine Haut war sehr weiß und errötete schnell, und so waren alle frei liegenden Körperteile vom Hals abwärts mit einfachem Tuch umwickelt. Darüber trug er einen grauen Rock, dessen einstige Form sich nur noch schwer erraten ließ, so ganz und gar verzogen von Handgriffen wirkte er. Den Kopf bedeckte ein Fell, das er wie zu einem Turban geflochten hatte. es hatte einmal einem weißen Tier gehört.
George stand auf dem Marktplatz eines kleinen schottischen Küstenortes. Die zahnlosen Kinder des Dorfes waren ihm, so wie es häufig geschah, wenn er irgendwo auftauchte, bei seinem morgendlichen Gebet über den Platz nachgejagt und hatten versucht, ihm den Schutz über die Ohren zu ziehen. George war auf einen hohen Felsen geflüchtet. Dort hatte er gesessen und ins Meer geblickt, und irgendwann war er mit einem Satz hinuntergesprungen, um später mit einem Bündel Fische unter dem Arm auf den Marktplatz zurück- zukehren.
Das Wasser aus seinem Rock auswringend, schlug George die noch zuckenden Tiere gegen den Stein. einem Barsch biss er den Kopf ab. Er kaute den Bissen und schluckte einen Teil hinunter, die andere Hälfte ließ er in seinem Brotbeutel verschwinden. Dann zog er aus seinem Seesack beschriebene Blätter hervor und begann, die übrigen Fische darin einzuwickeln. Die Umstehenden standen still, nur das Muschelband um Georges Handgelenk raschelte.
Wer er sei, fragte ein Mann, der nur noch einen einzigen vorderen zahn in seinem Mund vorzuweisen hatte.
Woher er käme, fragte ein anderer, dessen Gesicht kein lächeln zu kennen schien.
George aber hätte nicht einmal zu sagen gewusst, ob er sich an einer französischen oder an einer schottischen Küste befand.“

 

Daniela Dröscher (München, 4 juni 1977)

 

Onafhankelijk van geboortedata

De Duitse journaliste en schrijfster Fatma Aydemir werd geboren in 1986 in Karlsruhe. Haar grootouders kwamen als Turkse gastarbeiders naar Duitsland toen haar ouders tieners waren. Ze studeerde Germanistiek en Amerikanistiek in Frankfurt am Main. Aydemir woont sinds 2012 in Berlijn en werkt als redacteur bij het dagblad taz, waar ze zich bezighoudt met de onderwerpen popcultuur, literatuur en Turkije. Ze was medeoprichter van het tweetalige webportaal taz.gazete (2017–2020), als reactie op de staatsrepressie tegen de persvrijheid in Turkije. Als freelance auteur schrijft ze ook voor Spex en Missy Magazine. Sinds 2023 is ze columniste voor de Europese editie van The Guardian. Haar in 2017 verschenen debuutroman “Ellbogen”, die gaat over een escalatie van geweld in een metrostation, verdeelde de critici. Recensent Philipp Bovermann in de Süddeutsche Zeitung waardeert Aydemirs heldere taal en ziet het boek als twee schopjes in de maag: “Eén voor de vrouwonvriendelijke Turkse samenleving. En eentje voor de leugenachtigheid van de o zo liberale Duitsers.”Andrea Diener van de Frankfurter Allgemeine Zeitung had daarentegen graag meer gedifferentieerde observaties van de Duits-Turkse hoofdpersoon Hazal gezien. Literair criticus Meike Feßmann prees Aydemirs tweede roman “Dschinns”, gepubliceerd in 2022, als ‘een wonder van precisie en empathie’. In de ZEIT bekritiseerde Iris Radisch echter dat het boek was geschreven in een ‘stereotiep, politiek activistisch jargon.

Uit: Ellbogen

„Hätte Desiree mir nicht mit ihren langen, sauberen Fingern jeden Lippenstift und Nagellack einzeln vorgeführt, wäre ich niemals auf die Idee gekommen zu klauen. Es war Sommer, das weiß ich noch genau, denn Desiree trug hellblaue Hotpants und die auf ihren Beinen glänzenden Härchen standen aufrecht, weil die Klimaanlage den Supermarkt in einen großen Kühlschrank verwandelt hatte. Obwohl ich erst sieben war, wusste ich, dass ich so kurze Hosen niemals würde tragen dürfen. Und ich wusste auch, dass Mama mir niemals erlaubt hätte, einen Glitzerlippenstift zu kaufen. Desiree aber hatte einen Geldschein in der Hand und musste sich nur noch für eine Farbe entscheiden. Sie nahm den pinken Lippenstift, klar, denn Desiree war blond und hielt sich für Barbie. Eigentlich sah sie tatsächlich ein bisschen aus wie Barbie, doch das habe ich ihr nie gesagt. Das Leben war schon gut genug zu Desiree.
Ich begleitete sie bis fast an ihre Haustür. Desirees Mutter stand schon auf dem Balkon, die Hände in den Hüften. Sie war groß, extrem dünn und immer ein bisschen braun gebrannt. Keine Ahnung wieso, wahrscheinlich fuhren sie oft in den Urlaub. Sie trug ein enges Tanktop und keinen BH darunter, so dass man immer nur Titten sah, wenn man an Desirees Mutter dachte. Die Titten waren viel kleiner als die von Mama, aber nicht spitz, sondern rund wie zwei Tennisbälle, eigentlich ganz hübsch. Desirees Mutter rief uns mit strengem Blick zu, dass die Familie nun zu Mittag essen würde. Desiree nickte, schaute mich an und winkte mir zum Abschied. Sie winkte, obwohl ich neben ihr stand. Nie habe ich Desirees Wohnung von innen gesehen, aber oft habe ich mir vorgestellt, wie es drinnen aussehen könnte.
Danach ging ich wieder zurück zum Supermarkt und ließ den Lippenstift unauffällig in meiner Hosentasche verschwinden. Ich kann nicht sagen, was ich mit ihm vorhatte, ich glaube, es ging nur darum, ihn zu besitzen, ab und zu daran zu riechen. Denn auftragen konnte ich ihn auf keinen Fall, Mama hätte mir dafür direkt eine Schelle verpasst.
Als ich an der traurigen Kassiererin mit dem Damenbart vorbeischlich, senkte ich meinen Blick und konzentrierte mich auf die Fliesenrillen. Draußen rannte ich die dreihundert Meter nach Hause, als müsste ich dringend aufs Klo, schloss mit dem Schlüssel, der an einem dunkelblauen Faden um meinen Hals hing, die Tür auf, sprang die Treppenstufen in den ersten Stock hoch, schloss die Wohnungstür auf, lief direkt in unser Kinderzimmer und hielt den Lippenstift Onur stolz vor die Nase. Onur schenkte mir nur einen fragenden Blick und spielte weiter mit seinen beschissenen Legosteinen. Spasti.“

 

Fatma Aydemir (Karlsruhe, 1986)

P. F. Thomése, Wouter van Heiningen, Stendhal, Derek Walcott, Françoise Dorin, Gerald Jatzek, João Ubaldo Ribeiro, Michel Droit, Fatma Aydemir

De Nederlandse schrijver Pieter Frans Thomése werd geboren in Doetinchem op 23 januari 1958. Zie ook alle tags voor P. F. Thomése op dit blog.

Uit: J. Kessels: The Novel

“Het begon allemaal met zo’n telefoontje waar ik echt niet op zat te wachten. ‘Spreek ik met P.F. Thomése, de beroemde schrijver?’ Op zo’n toon van: o o o, wat zijn we weer interessant. (Als ze zo beginnen, hoeft het voor mij eigenlijk al niet meer.) Hij beweerde dat ik hem goed kende.
Shit, ook dat nog. ‘Van vroeger,’ expliceerde hij met de precisie van een schot hagel. Vroeger is een lange tijd, makker, dacht ik bij mezelf. Daarin kon veel voorgoed verloren raken. Meer in ieder geval dan je terug zou willen vinden.
Triomfantelijk noemde hij zijn naam, die me op het eerste gehoor niets zei. Dat kwam ook doordat ik hem niet goed verstond. Er zat een ‘ah’ of ‘ai’ in het midden. Baars, Baaij of mogelijk Haai, maakte ik eruit op. Enfin, iets met een luchtje. Wel herkende ik meteen de lullige tongval die zo kenmerkend is voor onze streek, waar de klei zo zompig is dat menigeen er voorgoed in is blijven steken.
Hij was me altijd blijven volgen, verzekerde hij me, en hij prees mijn werk zo omstandig, dat ik vreesde met een flauwe grappenmaker vandoen te hebben, of met een criticus die iets goed te maken had, wat op hetzelfde neerkwam.
Er gaan nu eenmaal heel wat idioten in een dozijn.
Uit zijn eerlijk gezegd op den duur nogal langdradige lofprijzingen kon ik opmaken dat hij vooral een fan was van mijn Greatest Hits, waarop ik hem plichtmatig complimenteerde met zijn voortreffelijke keuze. (In feite noemt iederéén altijd deze titel.) En algauw werd de reden van zijn geslijm duidelijk: hij zocht het adres en telefoonnummer van mijn reisgenoot J. Kessels, met wie ik in voornoemd boek inderdaad gedenkwaardige avonturen beleef. Onze ‘ah’ of ‘ai’ van vroeger was de zoveelste die J. Kessels in het echt wilde leren kennen – het bekende gezeik waar mijn reisgenoot terecht een ‘kuthekel’ aan heeft.
‘Ik geef nooit telefoonnummers van mijn personages,’ antwoordde ik kortaf.
‘Op bladzijde 101 van de derde, vermeerderde druk staat anders wel zijn adres: Hertogstraat 50 in Tilburg.’
‘Ga daar dan maar heen,’ antwoordde ik droogjes.
‘Heb ik al gedaan. Maar daar zeiden ze dat meneer Kessels was verhuisd.’ Zeeën ze, zei hij op zijn streekgebonden wijze.
En op dat moment viel het kwartje. Een heel oud kwartje – dat al die jaren moest hebben vastgezeten.
Zeeën ze, en toen gleeën ze in elkaar en deeën het.Aldus, op deze woorden, gleed ik terug het verleden in. Het verleeën in.
Waar de verlangens, onvervuld, eeuwig op mijn terugkeer lagen te wachten.”

 

 
P. F. Thomése (Doetinchem, 23 januari 1958)

 

De Nederlandse dichter Wouter van Heiningen werd geboren op 23 januari 1963 in Leidschendam. Zie ook alle tags voor Wouter van Heiningen op dit blog.

 

Zoet

Alles ruikt naar chocola
de pepermunt is voor na achten
die mevrouw van nummer 112
steekt een stukje puur
tussen haar kunsttanden, haar
lippen donkerbruin

zelfs de donshaartjes op
haar bovenlip kleven zoetgeurend
aan elkaar als ware het een gel
die een breekbaar gezicht
bij elkaar houdt

Ze likt de lippen, de
mondhoeken krullen,
alles smaakt naar chocola.

 

Eb

Na zevenen, de avond kruipt mijn
lichaam in, schuurt de wakkere
energie laag voor laag af

Het zand knarst onder mijn blote
voeten, de zee groet ze, zoals altijd
volledig omsluitend, koud

Bij de waterlijn lonkt een
middelgrote schelp, opnieuw zal
ze de zee in mijn oor fluisteren

Mijn bloed stopt met stromen,
mijn oren met horen,
mijn woorden met vertellen.

Het wordt stil,
stiller, stilte. Stil
In mijn hoofd

 

 
Wouter van Heiningen (Leidschendam, 23 januari 1963)

 

De Franse schrijver Stendhal werd op 23 januari 1783 in Grenoble geboren als Henri Beyle. Zie ook alle tags voor Stendhal op dit blog.

Uit: Promenades dans Rome

« De là, par des excursions, nous verrons Naples, et toute l’Italie au delà de Florence et des Apennins. Nous sommes assez nombreux pour former une petite société pour les soirées qui, dans les voyages, sont le moment pénible. D’ailleurs, nous chercherons à être admis dans les salons romains.
Nous espérons y trouver les moeurs italiennes, que l’imitation de Paris a un peu altérées à Milan et même à Florence. Nous voulons connaître les habitudes sociales, au moyen desquelles les habitants de Rome et de Naples cherchent le bonheur de tous les jours. Sans doute notre société de Paris vaut mieux mais nous voyageons pour voir des choses nouvelles, non pas des peuplades barbares comme le curieux intrépide qui pénètre dans les montagnes du Thibet, ou qui va débarquer aux îles de la mer du Sud. Nous cherchons des nuances plus délicates nous voulons voir des manières d’agir plus rapprochées de notre civilisation perfectionnée. Par exemple, un homme bien élevé, et qui a cent mille francs de rente, comment vit-il à Rome ou à Naples ? Un jeune ménage qui n’a que le quart de cette somme à à dépenser, comment passe-t-il ses soirées ? Pour m’acquitter avec un peu de dignité de mes fonctions de cicerone, j’indique les choses curieuses mais je me suis réservé très expressément le droit de ne point exprimer mon avis. Ce n’est qu’à la fin de notre séjour à Rome que je proposerai à mes amis de voir un peu sérieusement certains objets d’art dont il est difficile d’apercevoir le mérite quand on a passé sa vie au milieu des jolies maisons de la rue des Mathurins et des lithographies coloriées. Je hasarde, en tremblant, le premier de mes blasphèmes ce sont les tableaux que l’on voit à Paris qui empêchent d’admirer les fresques de Rome. J’écris ici de petites remarques tout à fait personnelles, et non point les idées des personnes aimables avec lesquelles j’ai le bonheur de voyager.”

 

 
Stendhal (23 januari 1783 – 23 maart 1842)
The Remains of the Roman Forum door David Roberts, 1861

 

De Westindische dichter en schrijver Derek Walcott werd geboren op 23 januari 1930 op St. Lucia, een van de kleine Bovenwindse Eilanden. Zie ook alle tags voor Derek Walcott op dit blog.

 

The Star-Apple Kingdom (Fragment)

The mountains rolled like whales through phosphorous stars,
as he swayed like a stone down fathoms into sleep,
drawn by that magnet which pulls down half the world
between a star and a star, by that black power
that has the assassin dreaming of snow,
that poleaxes the tyrant to a sleeping child.
The house is rocking at anchor, but as he falls
his mind is a mill wheel in moonlight,
and he hears, in the sleep of his moonlight, the drowned
bell of Port Royal’s cathedral, sees the copper pennies
of bubbles rising from the empty eye-pockets
of green buccaneers, the parrot fish floating
from the frayed shoulders of pirates, sea horses
drawing gowned ladies in their liquid promenade
across the moss-green meadows of the sea;
he heard the drowned choirs under Palisadoes,
a hymn ascending to earth from a heaven inverted
by water, a crab climbing the steeple,
and he climbed from that submarine kingdom
as the evening lights came on in the institute,
the scholars lamplit in their own aquarium,
he saw them mouthing like parrot fish, as he passed
upward from that baptism, their history lessons,
the bubbles like ideas which he could not break:
Jamaica was captured by Penn and Venables,
Port Royal perished in a cataclysmic earthquake.

Before the coruscating façades of cathedrals
from Santiago to Caracas, where penitential archbishops
washed the feet of paupers (a parenthetical moment
that made the Caribbean a baptismal font,
turned butterflies to stone, and whitened like doves
the buzzards circling municipal garbage),
the Caribbean was borne like an elliptical basin
in the hands of acolytes, and a people were absolved
of a history which they did not commit;
the slave pardoned his whip, and the dispossessed
said the rosary of islands for three hundred years,
a hymn that resounded like the hum of the sea
inside a sea cave, as their knees turned to stone,
while the bodies of patriots were melting down walls
still crusted with mute outcries of La Revolucion!

 

 
Derek Walcott (23 januari 1930 – 17 maart 2017)

 

De Franse schrijfster en actrice Françoise Dorin werd geboren op 23 januari 1928 in Parijs. Zie ook alle tags voor Françoise Dorin op dit blog.

Uit: En avant toutes !

«” Lui, Tarzan.
«Elle, Jane. “
«Ça, terminé !
«Maintenant, c’est :
«” Elle, Tarzan.
«Lui, Jane ! “
«D’accord ! On n’en est pas encore là, mais on y tend. On y vient. On y court. C’est pourquoi, aujour­d’hui, je lance à tous les hommes, mes frères, un appel solennel à la résistance.»
Telles sont les premières lignes de La Tarzane, livre sorti en librairie lundi dernier ; livre qui veut être une critique cocasse d’un féminisme prétendument galopant ; livre qui va bénéficier du charisme de son auteur et du succès de son précédent ouvrage… à la gloire de sa mère !
Qui est-il, cet auteur ? Maître Vincent Vanneau. Romancier populaire et avocat mondain. Misogyne et séducteur. Quadragénaire sportif. Se vantant à juste titre d’avoir l’esprit de famille et pas du tout l’esprit de sérieux.
Beau, beau, beau… et pas con à la fois !
«Courage, messieurs ! Encore un petit effort ! Descendez de vos piédestaux ! Cassez vos statues de cow-boys ! Vous n’aurez pas de mal : elles sont déjà fêlées. Et vous, femmes, mes soeurs, donnez-leur donc un petit coup de main ! Secouez l’arbre du sexe où les derniers machos se sont réfugiés !»
Telles sont les premières lignes de L’Adieu au cow-boy, livre qui est sorti en librairie le même jour que La Tarzane; livre qui se félicite de l’affaiblissement du pouvoir masculin au profit du pouvoir féminin ; livre volontiers provocateur; livre partiellement autobiographique d’une débutante en littérature, mais pas dans la vie !
Qui est cette débutante ? Lou Gautier, la fille du docteur Marie-Anne Maurin-Gautier, psychothérapeute renommée, et d’Edouard Gautier, galeriste au flair reconnu. Célibataire et bien décidée à le rester. Avouant quinze ans de galères, tant sentimentales que professionnelles…
Belle, belle, belle… et triste à la fois !
Ces deux auteurs, ces deux livres vont être opposés demain dans une nouvelle émission de télévision abon­damment annoncée et commentée par les médias. De ce flot d’informations les attachés de presse de Vincent Vanneau et de Lou Gautier ont tiré l’essentiel et l’ont consigné à l’intention de leurs «poulains» dans deux espèces de feuilles de route, assimilables à celles des soldats en partance pour le front. Elles commencent d’une façon identique par quelques renseignements d’ordre général :
Titre de l’émission : «Poings… d’exclamation».
Genre : indéfinissable. Innovant.
But : réunir le culturel et la rigolade.
Décor : un ring de boxe entouré de gradins pour le public. »

 

 
Françoise Dorin (23 januari 1928 – 12 januari 2018)

 

De Oostenrijkse dichter, schrijver en musicus Gerald Jatzek werd geboren op 23 januari 1956 in Wenen. Zie ook alle tags voor Gerald Jatzek op dit blog.

Uit: Eine Geschichte für Europa – Welche Kinder- und Jugendliteratur braucht Europa?

“Hey diddle diddle: Zur Modernität der Kinderlyrik

„4.
Am Anfang war das Wort, gesprochen, gesungen auch, rhythmisch und melodisch gestaltet durch Verfahren wie Reim und Vers, Wiederholung und Gegensatz, auf dass es aus dem Gedächtnis abrufbar sei, um weitergegeben zu werden.
Mehr als ein Jahrtausend lang haben unzählige Generationen ihre Stellung in Natur und Gesellschaft mit Epen, Oden, Balladen, Liedern festgelegt, aber auch verändert. Während die vergleichsweise junge schriftliche Aufzeichnung den Text – für Wissenschaft und Recht unabdingbar – fixiert, gehören Varianten und Adaptionen (Parodien eingeschlossen) zum Wesen der oralen Literatur.
Als Beispiel seien die britischen Nursery Rhymes genannt, die zwar 1744 erstmals als Sammlung gedruckt wurden, aber bis heute vor allem durch Vorsprechen, Vorlesen, Singen weitergegeben werden.
Der Grund für den Erfolg ist klar: Gedichte wie Hey diddle diddle und I knew an old lady who swallowed a fly eröffnen eine Welt des Un-Sinns, in der Klang über Logik triumphiert, einen Freiraum, in dem starre Regeln aufgehoben sind und die Fantasie alles bewirken kann.

5.
Kinder verhandeln die Wirklichkeit ebenso wie die Literatur. Wer ihnen eine Geschichte erzählt, muss damit rechnen, dass sie Änderungen der Handlung fordern, Personen eliminieren oder hineinreklamieren.
In der Gruppe adaptieren sie Lieder und Auszählreime, indem sie Namen, Orte und Eigenschaften ändern. Alleine im versunkenen Spiel schlüpfen sie in Figuren, betreten fantastische Landschaften und schweben auf Melodien, von außen erkennbar an gemurmelten, halb laut gesungenen Variationen. In beiden Fällen ist das Ziel, einen Text den eigenen Lebensumständen anzupassen, bis er als wahr empfunden wird.“

 

 
Gerald Jatzek (Wenen, 23 januari 1956)

 

De Braziliaanse schrijver João Ubaldo Osório Pimental Ribeiro werd geboren op 23 januari 1941 in Itaparica, Bahia. Zie ook alle tags voor João Ubaldo Ribeiro op dit blog.

Uit: Sargento Getúlio (Vertaald door Curt Meyer-Clason)

“Senhora da Glória und Nossa Die Trippergicht ist so, sie ist nicht beständig. Läßt man sie machen, verkrümmt sie ihn zum Haken und verkommt zu anderen Übeln, so daß man bei Weibern unterwegs besser aufpaßt. Erstes Rezept. Von Paulo Afonso bis dahin eine Mordsstrecke, unter diesen Umständen nachts noch mehr. Karrenstraße, eine Pest. Da ist Canindé de São Francisco und Monte Alegre de Sergipe und Nossa Senhora das Dores und Siriri und Capela und andere Kaffs, was weiß ich. Propriá und Maruim, weißt ja Bescheid, Staub und Lastwagen voller Baumwollballen, die reine Dürre. Und Sertão vom Übelsten: Kakteen und Riesendisteln, alles stachlig, darunter Rattenschwänze, eine Hölle. Pflanzen und räudige Weiber, man kriegt die Krätze, tückisches Viehzeug, Ameisen, Skorpione, Kobrawanzen, Zecken, muß man gesehen haben. Dort habe ich drei Unglückliche umgelegt, zwischen ein paar Rattenschwänzen, einer ging langsam zu Boden, klar, aus Angst vor den Stacheln. So wie einer, der stirbt, sich um seine Bequemlichkeit sorgt. Wäre ich ein Messerstecher, ich hätte ihn lebend über die Klinge springen lassen, aber das macht ein sonderbares Geräusch und ist auch nicht sauber, weil es so spritzt. Deswegen habe ich ihm eine in den Hinterkopf geknallt, habe scharf gezielt, um keine Munition zu verschwenden. Dann habe ich ihn beschimpft, weil er mich gezwungen hat, daß ich in dieser Gluthitze durch die Steppe hetzen mußte und mir in diesem Dornengestrüpp meine neuen Stiefel versaut habe. Man sieht nichts als Pfaffenkopf, Yucca, Kriechbüsche und Aasgeier. Er hörte nicht mal mehr mein Schimpfen, kippte hintenüber und wurde kalt. Die übliche Arbeit. Wie weit hätte er mich noch gejagt? Bis Itapicuru? Vitória da Conquista? Was weiß ich. Die Riesenfeigheit hat keine Grenzen, da reißt man aus, schmeißt seine Seele in die Welt, um seinem Schicksal wegzulaufen. Die Stunde eines jeden ist die Stunde eines jeden. Der Pockennarbige, der da ausgestreckt in den Dornen lag, als wenn der Boden mit Maisbärten gepolstert wäre. Als ob das was ausmachte? Wer schon mal den allerletzten Schuß gesehen hat, weiß, was das heißt. Dieses Schütteln im Körper, ein Zucken, und Schluß. Dann die Aasgeier, ihre Aufgabe hat schon nichts mehr mit Bestrafung zu tun, nur noch mit Saubermachen.
Der Aasgeier ist der Besen der Buschwälder, der sieht auf die Minute, wenn einer aufhört, im Ödland zu gehen, und dann umkreist er ihn wie ein Geist. Umkreist ihn so, klappert mit dem Schnabel und schlappt mit den Flügeln, diese müden, seelenmüden Sprünge. Geht und kommt und geht und kommt wieder. In Trauer. Muß einen langen Atem haben. Ist bekannt, das Aasgeierjunge kommt weiß auf die Welt, und dann wird es schwarz, und wenn es einen Menschen sieht, kotzt es vor Ekel, das dreht ihm den Magen um. Wir ekeln uns vor ihnen, sie ekeln sich vor uns.“

 

 
João Ubaldo Ribeiro (Itaparica, 23 januari 1941)

 

De Franse schrijver en journalist Michel Droit werd geboren op 23 januari 1923 in Vincennes. Zie ook alle tags voor Michel Droit op dit blog.

Uit: La rivière de la guerre

« Paul Querrien sortit de sous sa moustiquaire. L’installation du camp de Koubo était presque terminée. Querrien allait donc pouvoir y laisser une petite équipe de manoeuvres qui achèveraient le travail, en particulier le nettoyage du sol où se dressaient déjà les cases. Et il irait aussitôt s’occuper d’un autre camp. Mais celui-ci, depuis qu’il en avait trouvé l’emplacement, qu’il s’était attaché à en concevoir le plan, à l’aménager, à sans cesse l’améliorer, Paul Querrien se sentait animé envers lui d’une sorte de tendresse. Il en aimait l’étroit cours d’eau ombragé, cette Koubo dont il tirait son nom, et le chant métallique du vent dans les palmes des roniersl. Dès que la nuit tombait, il se sentait ici plus intégré à elle que nulle part ailleurs pour attendre le premier rugissement d’un lion partant chasser dans les plaines de la Vourou, le premier ricanement des hyènes de l’autre côté de la rivière, le passage d’un troupeau d’éléphants cassant des arbres et des branches à cinq cents mètres des cases. Et puis, Paul Querrien avait toujours eu de la chance à Koubo. Et la plupart de ceux qui avaient partagé avec lui cette chance ou plutôt ce bonheur, éprouvaient envers ce camp la même prédilection, le même attachement sentimental. — Fade, fade ! s’écria Paul Querrien en direction des hommes qui déambulaient autour d’un camion dont il allait prendre le volant. Il venait de revisser le bouchon de sa thermos de café, après avoir bu, coup sur coup, trois gorgées encore presque brûlantes. Dieudonné, un chauffeur-mécanicien local formé par Querrien, avait mis en route le moteur qui ronronnait doucement dans l’obscurité. Ceux des manoeuvres dont le travail à Koubo était terminé avaient déjà pris place à bord sans se faire prier. Les autres, chargés du matériel de terrassement, rentreraient avec un second véhicule conduit par Dieudonné. Paul Querrien appela Djouma, le chef d’équipe qui devait rester sur place. — je compte sur toi, fit-il. Quand vous aurez bien nettoyé la terre autour des cases pour que rien ne repousse, vous m’arrangerez les deux derniers kilomètres de piste avant d’arriver au camp, et awe !3. Il faut qu’après-demain soir vous soyez à Djallé. Compris ? »

 

 
Michel Droit (23 januari 1923 – 22 juni 2000)

 

Onafhankelijk van geboortedata

De Turks-Duitse schrijfster en journaliste Fatma Aydemir werd geboren in 1986 in Karlsruhe. Zie ook alle tags voor Fatma Aydemir op dit blog.

Uit: Ellenbogen

„Wahrscheinlich gefällt ihr das Bild: Weinende Krokodile, die in Schuldgefühlen schwimmen. Mit ihrem schweren plüschigen Nuttenpantoffel in der Hand scheuchte sie mich durch die ganze Wohnung und rief: »Du verdammtes Hurenkind!« Ich sprang auf die samtene Blumencouch, von dort auf den Sessel mit dem Brandloch, ich rannte ins Kinderzimmer und verkroch mich in der hintersten Ecke des Raums. Mama blieb schnaufend vor mir stehen. Es dauerte keine zwei Sekunden und sie fing selbst an zu heulen. Da wusste ich: Okay. Ich habe wirklich große Scheiße gebaut.
Mama rannte in die Küche und kam mit dem größten Messer zurück, dem, mit dem mein Vater immer das Fleisch schnitt. »Mit welcher Hand hast du geklaut?«, brüllte sie. »Links oder rechts?« Ich versteckte die Hände hinter meinem Rücken und schob sie in den Spalt zwischen Heizung und Fensterbrett. Ich schluchzte und schrie, ich rief, ich würde es nie wieder tun. Aber Mama hörte nicht auf. Sie fragte immer wieder nur: »Links oder rechts?« Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder solche Angst um meinen Arsch gehabt habe wie damals. Nicht mal, als ich mit vierzehn die ganze Packung Blutdrucksenker von meinem Opa gefressen habe, und das war schon krass.
Mama packte mich am Nacken, riss mich aus der Wohnung und schleppte mich zurück in den Supermarkt. Ich starrte auf meine weißen Plastiksandalen, während ich neben ihr stand und ihr zuhörte, wie sie mit ihrem gebrochenen Deutsch auf den dicken Filialleiter einredete. Irgendwann kniff sie mich in den Arm und keifte mich auf Türkisch an. Heute glaube ich, es wäre weniger schlimm gewesen, meine rechte Hand zu verlieren, als mich bei dem Typen entschuldigen zu müssen. Scham ist nämlich viel beschissener als Angst. Denn wenn man sich schämt, dann hat man sogar Angst davor, sich zu fürchten. Der Filialleiter kratzte sich an seinem fetten Bauch und warf mir nur diesen Blick zu, den ich nie vergessen werde. Die winzigen blauen Augen hinter den dicken Brillengläsern lachten. Ha! Ihm gefiel es, dass ich geklaut hatte. Und noch mehr gefiel ihm, dass ich mich schämte, diesem Schwein.“

 

 
Fatma Aydemir (Karlsruhe, 1986)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 23e januari ook mijn blog van 23 januari 2016 deel 2 en eveneens deel 3.

P. F. Thomése, Wouter van Heiningen, Stendhal, Derek Walcott, Françoise Dorin, Gerald Jatzek, João Ubaldo Ribeiro, Michel Droit, Fatma Aydemir

De Nederlandse schrijver Pieter Frans Thomése werd geboren in Doetinchem op 23 januari 1958. Zie ook alle tags voor P. F. Thomése op dit blog.

Uit: Grillroom Jeruzalem

“Het zijn de donkere dagen voor Kerst, en we zullen overnachten in Bethlehem. Dat is in het Palestijnse gebied. Aan de andere kant van de grens.
Die grens blijkt, als we arriveren, een muur te zijn van negen meter hoog. Van de ene op de andere straat is-ie er ineens. Baf. Midden in de bebouwde kom. Grijze betonnen platen, bekend uit de gevangenisarchitectuur. Wie zoiets neerzet, wil datgene wat daarachter is nooit meer terug hoeven zien. De utilitaire vormgeving detoneert nogal in het Bijbelse landschap. Wie hier wil dromen van het kindeke Jezus en de os en de ezel en de wijzen uit het Oosten, moet danig zijn fantasie aanspreken. Ons hotel heet overigens gewoon, alsof er niets aan de hand is, het Bethlehem Star Hotel, en de desbetreffende ster straalt ons in haar vuile neon zwakjes tegemoet.
Hier lagen ze dus, de herdertjes, hier lagen zij bij nacht bij het vuur. En daar hoorden zij engelen zingen. Ik probeer me een beetje te oriënteren, maar erg goed lukt dat nog niet.
Onze reisleidster, de Palestijnse Ghada uit Gouda, zegt dat het al laat is en dat we maar beter meteen kunnen gaan slapen.
Op mijn kamer, met de vertrouwde lekkende kraan en het leeslampje dat alleen aangaat als je het draadje op een bepaalde manier vasthoudt, lig ik op bed en probeer ik me thuis te voelen in dit beloofde land waar zovelen zoveel eeuwen naar gehunkerd hebben, waar zovelen met onbegrijpelijke graagte hun bloed voor hebben gegeven (en al hunkerend nog steeds willen geven). Kijkend naar het plafond luister ik naar mijn van thuis meegebrachte muziek: Bar Kochba, de ‘radicale joodse jazz’ van de New Yorker John Zorn, en Old Testaments & New Revelations, melancholisch absurdisme van ‘de eerste joodse countryster’ Kinky Friedman and his Texas Jewboys (‘They ain’t making Jews like Jesus anymore’). Maar ik geloof nog steeds niet helemaal dat ik hier ben. In het Heilige Land, sprookjesland der gelovigen. Het is allemaal zo… gewoon. Het zou net zo goed een hotelkamer kunnen zijn in Emmen of Terneuzen waar ik na mijn lezing uit eigen werk door de liefhebbende organisatie ben ondergebracht.
Om wat meer in de stemming te komen ga ik verder in Edgar Hilsenraths magnum opus Nacht, schitterende schelmenroman uit de sjoah, die ik elke keer moeilijk weg kan leggen, zo verslavend is deze beklemmende overlevingsgeschiedenis. Het verhaal speelt zich af in een ten dode opgeschreven joods getto aan de Dnjestr, ergens in de duistere krochten van oostelijk Europa, waar de grenzen met iedere oorlog veranderden tot niemand meer wist wie in welk land thuishoorde.”

 

 
P. F. Thomése (Doetinchem, 23 januari 1958)

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Fatma Aydemir

Onafhankelijk van geboortedata

De Turks-Duitse schrijfster en journaliste Fatma Aydemir werd geboren in 1986 in Karlsruhe. Zij studeerde Duitse en Amerikaanse Studies in Frankfurt en San Diego. Sinds 2012 werkt zij als redacteur bij de taz. Daarnaast werkt zij als freelance schrijver, onder andere voor de magazines Spex en Missy Magazine. In 2017 debuteerde zij met de roman “Ellenbogen”.

Uit:Ellenbogen

“Hätte Desiree mir nicht mit ihren langen, sauberen Fingern jeden Lippenstift und Nagellack einzeln vorgeführt, wäre ich niemals auf die Idee gekommen zu klauen. Es war Sommer, das weiß ich noch genau, denn Desiree trug hellblaue Hotpants und die auf ihren Beinen glänzenden Härchen standen aufrecht, weil die Klimaanlage den Supermarkt in einen großen Kühlschrank verwandelt hatte. Obwohl ich erst sieben war, wusste ich, dass ich so kurze Hosen niemals würde tragen dürfen. Und ich wusste auch, dass Mama mir niemals erlaubt hätte, einen Glitzerlippenstift zu kaufen. Desiree aber hatte einen Geldschein in der Hand und musste sich nur noch für eine Farbe entscheiden. Sie nahm den pinken Lippenstift, klar, denn Desiree war blond und hielt sich für Barbie. Eigentlich sah sie tatsächlich ein bisschen aus wie Barbie, doch das habe ich ihr nie gesagt.
Das Leben war schon gut genug zu Desiree.
Ich begleitete sie bis fast an ihre Haustür. Desirees Mutter stand schon auf dem Balkon, die Hände in den Hüften. Sie war groß, extrem dünn und immer ein bisschen braun gebrannt. Keine Ahnung wieso, wahrscheinlich fuhren sie oft in den Urlaub. Sie trug ein enges Tanktop und keinen darunter, so dass man immer nur Titten sah, wenn man an Desirees Mutter dachte. Die Titten waren viel kleiner als die von Mama, aber nicht spitz, sondern rund wie zwei Tennisbälle, eigentlich ganz hübsch. Desirees Mutter rief uns mit strengem Blick zu, dass die Familie nun zu Mittag essen würde. Desiree nickte, schaute mich an und winkte mir zum Abschied. Sie winkte, obwohl ich neben ihr stand. Nie habe ich Desirees Wohnung von innen gesehen, aber oft habe ich mir vorgestellt, wie es drinnen aussehen könnte.”

 
Fatma Aydemir (Karlsruhe, 1986)