Nicolaas Beets, Hugo Claus, Algernon Swinburne, Bora Ćosić

Bij Witte Donderdag

 

rubens
Het Laatste Avondmaal door Peter Paul Rubens, 1630-1632

 

Het laatste avondmaal
Mark. XIV v. 22-24.

Toen hij zijn bijzijn was ontvloden,
Wien Jezus, in den laatsten nacht,
De bittre bete had geboden.
Die al zijn bloed aan ’t gisten bracht;
Toen Judas, om, naar ’t woord des Heeren,
Met haast te doen hetgeen hij deed,
Zijn heilig aangezicht vermeed,
Om met dien kus terug te keeren!

Toen de ijslijke ure was gekomen,
Waarin de kampstrijd aan zou gaan,
Werd op zijn wezen niets vernomen.
Dat angst of droef heid kon verraân;
Hij zag in wat Hij zou beginnen,
In ieder foltring Hem bereid,
Al zijn aanstaande heerlijkheid,
En in zijn strijden ’t overwinnen.

Nog eens tot de Elve dan gesproken,
Van liefde en eendracht, moed en trouw!
Toen heeft Hij plechtig ’t brood gebroken,
Daar elk van hen van eten zou.
Toen heeft Hij, aan dien heilgen dissche,
Den laatsten beker om doen gaan,
Zoo als ’t nog heden wordt gedaan,
Ter maaltijd der gedachtenisse.

O Beeldspraak van de felste smart:
Gebroken brood, vergoten wijn!
Moet gij voor mijn geloovig harte
Van ’s Heilands dood de teeknen zijn!
Gewis; zijn lichaam werd verbroken,
Om mij te redden van ’t verderf,
Zijn hand doorgriefd, zijn zij’ doorstoken,
Opdat ik Gods gena verwerf.

Als ik ’t gebroken brood dan ete,
En proeve den vergoten wijn,
Mijn Heiland! dat ik nooit vergete
Hoe veel en groot mijn zonden zijn!
Opdat ik voor mijzelf mij schame,
Maar, overtuigd van Gods gena,
Van uw gewijde tafel ga,
Op nieuw versterkt in uwen name.

 

Nicolaas Beets (13 september 1814 – 13 maart 1903)

De theekoepel in Arendshof, waar Beets zijn verzen voorlas

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Johann Wolfgang von Goethe, Milan Kundera, Nikolaj Gogol, Max Nord, Urs Allemann, Rolf Hochhuth

Bij Palmzondag

 

giotto
Intocht in Jeruzalem, Giotto di Bondone, 1304

 

 

Gedicht zum Palmsonntag

Im Vatikan bedient man sich
Palmsonntags echter Palmen.
Die Kardinäle beugen sich
und singen alte Psalmen.
Dieselben Psalmen singt man auch,
Ölzweiglein in den Händen,
Muss im Gebirg zu diesem Brauch
Stechpalmen gar verwenden.
Zuletzt, man will ein grünes Reis,
So nimmt man Weidenzweige.
Damit der Fromme Lob und Preis
auch im geringsten zeige.

 

Johann Wolfgang von Goethe (28 augustus 1749 – 22 maart 1832)

Het Goethehaus in Weimar

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Am Feste der heiligen drei Könige (Annette von Droste-Hülshoff)

Bij het feest van Driekoningen

 

Aanbidding door de drie koningen, Hendrick ter Brugghen, 1619

 

Am Feste der heiligen drei Könige

Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,
Um die Stirnen Purpurbinden,
Tiefgebräunt von heißen Winden
Und der langen Reise Mühn.
Durch der Palmen säuselnd Grün
Folgt der Diener Schar von weiten;
Von der Dromedare Seiten
Goldene Kleinode glühn,
Wie sie klirrend vorwärts schreiten,
Süße Wohlgerüche fliehn.

Finsternis hüllt schwarz und dicht
Was die Gegend mag enthalten;
Riesig drohen die Gestalten:
Wandrer, fürchtet ihr euch nicht?
Doch ob tausend Schleier flicht
Los’ und leicht die Wolkenaue:
Siegreich durch das zarte Graue
Sich ein funkelnd Sternlein bricht.
Langsam wallt es durch das Blaue,
Und der Zug folgt seinem Licht.

Horch, die Diener flüstern leis:
“Will noch nicht die Stadt erscheinen
Mit den Tempeln und den Hainen,
Sie, der schweren Mühe Preis?
Ob die Wüste brannte heiß,
Ob die Nattern uns umschlangen,
Uns die Tiger nachgegangen,
Ob der Glutwind dörrt’ den Schweiß:
Augen an den Gaben hangen
Für den König stark und weiß.”

Sonder Sorge, sonder Acht,
Wie drei stille Monde ziehen
Um des Sonnensternes Glühen,
Ziehn die Dreie durch die Nacht.
Wenn die Staublawine kracht,
Wenn mit grausig schönen Flecken
Sich der Wüste Blumen strecken,
Schaun sie still auf jene Macht,
Die sie sicher wird bedecken,
Die den Stern hat angefacht.

O ihr hohen heil’gen Drei!
In der Finsternis geboren
Hat euch kaum ein Strahl erkoren,
Und ihr folgt so fromm und treu!
Und du meine Seele, frei
Schwelgend in der Gnade Wogen,
Mit Gewalt ans Licht gezogen,
Suchst die Finsternis aufs Neu!
O wie hast du dich betrogen;
Tränen blieben dir und Reu!

Dennoch, Seele, fasse Mut!
Magst du nimmer gleich ergründen,
Wie du kannst Vergebung finden:
Gott ist über Alles gut!
Hast du in der Reue Flut
Dich gerettet aus der Menge,
Ob sie dir das Mark versenge
Siedend in geheimer Glut,
Läßt dich nimmer dem Gedränge,
Der dich warb mit seinem Blut.

Einen Strahl bin ich nicht werth,
Nicht den kleinsten Schein von oben.
Herr, ich will dich freudig loben,
Was dein Wille mir beschert!
Sei es Gram, der mich verzehrt,
Soll mein Liebstes ich verlieren,
Soll ich keine Tröstung spüren,
Sei mir kein Gebet erhört:
Kann es nur zu dir mich führen,
Dann willkommen Flamm’ und Schwert!

 

Annette von Droste-Hülshoff (10 januari 1797 – 24 mei 1848)

Jeugdportret, rond 1820

 

 

Zie voor de schrijvers van de 6e januari ook mijn vorige blog van vandaag.

 

Christmas in India (Rudyard Kipling)

Aan alle bezoekers en mede-bloggers een Prettig Kerstfeest!

 

De Geboorte van Christus, Hans Baldung (Grien), 1484/85 tot 1545

 

 

Christmas in India

Dim dawn behind the tamerisks — the sky is saffron-yellow —
As the women in the village grind the corn,
And the parrots seek the riverside, each calling to his fellow
That the Day, the staring Easter Day, is born.
O the white dust on the highway! O the stenches in the byway!
O the clammy fog that hovers over earth!
And at Home they’re making merry ‘neath the white and scarlet berry —
What part have India’s exiles in their mirth?

Full day begind the tamarisks — the sky is blue and staring —
As the cattle crawl afield beneath the yoke,
And they bear One o’er the field-path, who is past all hope or caring,
To the ghat below the curling wreaths of smoke.
Call on Rama, going slowly, as ye bear a brother lowly —
Call on Rama — he may hear, perhaps, your voice!
With our hymn-books and our psalters we appeal to other altars,
And to-day we bid “good Christian men rejoice!”

High noon behind the tamarisks — the sun is hot above us —
As at Home the Christmas Day is breaking wan.
They will drink our healths at dinner — those who tell us how they love us,
And forget us till another year be gone!
Oh the toil that knows no breaking! Oh the Heimweh, ceaseless, aching!
Oh the black dividing Sea and alien Plain!
Youth was cheap — wherefore we sold it.
Gold was good — we hoped to hold it,
And to-day we know the fulness of our gain!

Grey dusk behind the tamarisks — the parrots fly together —
As the sun is sinking slowly over Home;
And his last ray seems to mock us shackled in a lifelong tether.
That drags us back howe’er so far we roam.
Hard her service, poor her payment — she in ancient, tattered raiment —
India, she the grim Stepmother of our kind.
If a year of life be lent her, if her temple’s shrine we enter,
The door is shut — we may not look behind.

Black night behind the tamarisks — the owls begin their chorus —
As the conches from the temple scream and bray.
With the fruitless years behind us and the hopeless years before us,
Let us honor, O my brother, Christmas Day!
Call a truce, then, to our labours — let us feast with friends and neighbours,
And be merry as the custom of our caste;
For, if “faint and forced the laughter,” and if sadness follow after,
We are richer by one mocking Christmas past.

 

Rudyard Kipling(30 december186518 januari1936)

Portret in Bateman’s, Kiplings huis in Burwash, East Sussex

 


Zie voor de schrijvers van de 26e december ook
mijn vorige blog van vandaag en ook mijn derde blog van vandaag en ook mijn tweede blog van vandaag en eveneens mijn eerste blog van vandaag.

Am Weihnachtstag (Annette von Droste-Hülshoff)

Aan alle bezoekers en mede-bloggers een Prettig Kerstfeest!

 

De Aanbidding Door De Herders, Anthonie van Dyck, ca 1632

 

 

Am Weihnachtstag

Still ist die Nacht; in seinem Zelt geboren,
der Schriftgelehrte späht mit finstren Sorgen,
wann Judas mächtiger Tyrann erscheint;
den Vorhang lüftet er, nachstarrend lange
dem Stern, der gleitet über Äthers Wange,
wie Freudenzähre, die der Himmel weint.

Und fern vom Zelte über einem Stalle,
da ist’s, als ob aufs nied’re Dach er falle;
in tausend Radien sein Licht er gießt.
Ein Meteor, so dachte der Gelehrte,
als langsam er zu seinen Büchern kehrte.
O weißt du, wen das nied’re Dach umschließt?

In einer Krippe ruht ein neugeboren
und schlummernd Kindlein; wie im Traum verloren
die Mutter knieet, schlichter Mann rückt tief erschüttert
das Lager ihnen; seine Rechte zittert
dem Schleier nahe um den Mantel noch.

Und an der Türe steh’n geringe Leute,
mühsel’ge Hirten, doch die ersten heute,
und in den Lüften klingt es süß und lind,
verlor’ne Töne von der Engel Liede:
“Dem Höchsten Ehr’ und allen Menschen Friede,
die eines guten Willens sind.”

 

Annette von Droste-Hülshoff (10 januari 1797 – 24 mei 1848)

Buste in het park van slot Hülshoff

 

 

Zie voor de schrijvers van de 25e december ook mijn vorige blog van vandaag en eveneens mijn eerste blog van vandaag.

Kerstnacht (August van Cauwelaert)

Aan alle bezoekers en mede-bloggers een Prettig Kerstfeest!

 

bloch

De Geboorte van Christus, Carl Heinrich Bloch, tussen 1865 en 1879

 

Kerstnacht

De Kerstnacht is begonnen
Een nacht vol koele maan;
Het bassen der kanonnen
Is van de lucht vergaan.

Wij hebben ’t roer geborgen,
Den gordelriem ontgord.
Tot de ongewenschte morgen
Ons weer ter wallen port.

Ter dekking, diep gedoken
In schemer, ’t aangezicht;
Maar buiten, de aarde ontloken
In wonder rijpend licht.

Geen moord of vloek ontheiligt
’t Gelaat van dezen nacht;
Ons leven rust beveiligd
Onder de sterrenwacht.

Want ook ter andre zijde,
Van waar ons dood besprong,
Zal ’t hart de boodschap beiden
Die voor de herdren zong.

Hoe worden, schroom-bevangen,
De menschenkindren goed;
De weemoed van verlangen
Vermildert ons gemoed.

Hoe hebt ge uw kindren, Vader,
Verheerlijkt uit hun smart;
Hoe staan we uw vrede nader
En nader aan uw hart.

Wordt ons uw Zoon herboren
In deze’ onzaalgen tijd?
Onduldig luistren de ooren
Of daar geen kindje schreit.

De onvreed’ge volleren smachten;
Weer recht zich kranke hoop;
De kring van dage’ en nachten
Omschreef zijn nieuwen loop.

En lage sterren dwaalden,
Beroerd door vreemde macht;
Ach, of nu ’t Kerstkind daalde
In de armoede ‘onzer gracht.

Daar is geen vuur, te warmen
Verkleumde hoofd en voet,
Maar in ons schuttende armen
Herbloeit het weiger bloed.

Ons schoudren zullen dekken
De’ onmond’gen schoonen knaap,
Een leger hem verstrekken
Ons mantels voor zijn slaap.

De palm, dien ’t werk verweerde,
Zal zacht van zorge zijn,
Bang dat óns hand hem leerde
De straal van de eerste pijn….

Zoo dalen en zoo rijzen, –
De hemel doel of de aard, –
Ons rustiger gepeizen
In veilig-vrome vaart.

Ach, als ge uit arremoede
Tot heil verkoren zijt,
En ’t harte gaat bevroeden
Waar ’t glanzende oog om schreit….

Hoe lang zal ’t wonder duren?
Wij luistren sprakeloos….
En traagzaam wenden de uren
Ter nachtelijke roos.

Dan komt, de sterren tegen,
In dubblen toon en taal,
Uit dubble gracht gerezen
Het oude kerstverhaal.

 


August van Cauwelaert (31 december 1885 – 4 juli 1945)

 

Zie voor de schrijvers van de 24e december ook mijn vorige blog van vandaag en mijn eerste blog van vandaag.

Mazarine Pingeot, A. M. Homes, Viktor Rydberg, Annette von Droste-Hülshoff

De Franse schrijfster Mazarine Pingeot werd geboren in Avignon op 18 december 1974. Zie ook alle tags voor Mazarine Pingeot op dit blog.

 

Uit: Pour Mémoire

Mes parents ont été arrêtés devant mes yeux. Je m’étais éloigné de la route, avec mon frère, sur le chemin de la Croix-aux-filles, pour ramasser des fraises sauvages. Une voiture a vrombi, au loin, de plus en plus proche, puis elle a ralenti. Nous nous sommes tus. J’ai entendu mes parents crier. Je n’ai pas compris leurs mots, mais ils étaient à notre intention, une intention secrète.

Ces derniers mois nous avions élaboré des messages codés (« éloignez-vous », « nous sommes pris », se traduisaient par « Attention mon chapeau » et « Doucement, vous me faîtes mal » ou n’importe quelle variante qui se serait ajustée à la situation). On avait jugé inutile ou irréaliste d’ajouter « J’ai perdu ma chaussure » pour « Je vous aime mes enfants chéris, pensez à moi, ne vous inquiétez, pas notre amour survivra », et toutes ces phrases tristes que je me répétais d’avance dans mes nuits de silence en tenant la main de ma mère. Elle, elle gardait sa peur pour elle, mais ses lèvres se mettaient à trembler dès que des pas résonnaient dans la cage d’escalier et nous tachions de ne pas bouger. Nous attendions, nous attendions que les choses changent, ou peut-être nous attendions notre arrestation.

Ma mère a crié et je n’ai pas saisi ses mots, ce que j’ai saisi c’est : « Restez là où vous êtes, cachés derrière les arbres. » Peut-être y avait-il aussi un adieu dans ses cris, « Je vous aime, pensez à moi lorsque vous serez grands », mais ses cris ont été recouverts par ceux de mon père : « Ne touchez pas à ma femme, laissez-la, elle n’est pas vraiment juive. » C’est la dernière parole que j’ai entendue. Pas vraiment juive. Toujours ce souci d’exactitude chez lui.“

 

Mazarine Pingeot (Avignon, 18 december 1974)

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Andrea De Carlo, Naguib Mahfouz, Marco Kugel, Annette von Droste-Hülshoff

De Italiaanse schrijver Andrea De Carlo werd geboren in Milaan op 11 december 1952. Zie ook alle tags voor Andrea De Carlo op dit blog.

 

Uit: Als Durante kam (Vertaald door Maja Pflug)

„Am 19. Mai nachmittags um vier Uhr zwanzig saß ich bei einer Arbeitspause auf der Wiese vor dem Haus, ohne an etwas Bestimmtes zu denken. Das Thermometer, das in dem Bogen zwischen Haus und Werkstatt hing, zeigte siebenundzwanzig Grad im Schatten, doch in der Sonne waren es mindestens dreißig. Mein Kopf brannte, die Augen schmerzten beinahe. Das zum Teil schon verdorrte Gras pikte mich an Fußsohlen und Knöcheln. Mücken, Bienen und andere Insekten unterschiedlicher Größe ließen sich auf mir nieder oder summten um mich herum. Ab und zu wedelte ich mit den Händen, um sie zu verjagen; ich atmete langsam. Manchmal fuhr auch ein leichter Luſthauch durch die Schwüle und kräuselte die schwache Welle von electric blues, die aus den Fenstern drang. Stieglitze, Buch – finken und Turteltauben mit Halsband sangen in den Bäumen und Büschen; die Hügellandschaſt rundherum war bezaubernd wie immer, obgleich die Farben durch die lange Trockenheit und das grelle Licht schon etwas verblasst waren. Insgesamt hätte ich sagen können, dass negative und positive Empfindungen sich die Waage hielten, vielleicht überwogen die negativen ein ganz klein wenig, was der Hitze und der Langeweile geschuldet war, die sich hinter meiner Gedankenlosigkeit anstauten.
Dann hörte ich ein Auto die Schotterstraße herunterkommen und sprang auf. Oscar, der Hund, begann zu bellen: kurze, tiefe Laute, in rhythmischen Abständen. Astrid, meine Freundin, streckte den Kopf aus einem der offenen Fenster und fragte: »Wer ist das?«
»Keine Ahnung!«, antwortete ich, während ich im Gras herumstolperte und nach meinen Filzschlappen tastete, die am großen Zeh schon ganz durchlöchert waren.
Ich ging an die Stelle, wo das steile Sträßchen die Ebene des Hauses erreicht, mit den zwiespältigen Gefühlen dessen, der weitab von der Geschäſtigkeit der urbanen Gesellschaft lebt und die ständige Begegnung mit Menschen nicht mehr gewohnt ist: genervt, beunruhigt, neugierig, instinktiv auf Verteidigung meines Reviers eingestellt. Oscar bellte aufgeregter und zerrte an der gestrafften Kette. Zwischen den Sauerkirschbäumen, Heckenrosen, dem wilden Fenchel und dem hohen Gras tauchte ein kleines weißes Auto auf und hielt ein paar Meter vor mir. Auch ich blieb abrupt stehen, alle Muskeln meines Körpers und meines Gesichts angespannt, mir plötzlich meines verwaschenen militärgrünen T-Shirts und meiner ausgebeulten schwarzen Leinenhose bewusst, den Kopf schon voller verneinender und abwehrender Gesten und Sätze.“

 

Andrea De Carlo (Milaan, 11 december 1952)

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Rainer Maria Rilke, Geert Mak, Annette von Droste-Hülshoff

De Duitse dichter Rainer Maria Rilke werd als René Karel Wilhelm Johann Josef Maria Rilke op 4 december 1875 in Praag geboren. Zie ook alle tags voor Rainer Maria Rilke op dit blog.

Uit: Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

 

Ein Prophet

Ausgedehnt von riesigen Gesichten,
hell vom Feuerschein aus dem Verlauf
der Gerichte, die ihn nie vernichten, –
sind die Augen, schauend unter dichten

Brauen. Und in seinem Innern richten
sich schon wieder Worte auf,

nicht die seinen (denn was wären seine
und wie schonend waren sie vertan)
andre, harte: Eisenstücke, Steine,
die er schmelzen muß wie ein Vulkan,

um sie in dem Ausbruch seines Mundes
auszuwerfen, welcher flucht und flucht;
während seine Stirne, wie des Hundes
Stirne, das zu tragen sucht,

was der Herr von seiner Stirne nimmt:
Dieser, Dieser, den sie alle fänden,
folgten sie den großen Zeigehänden,
die Ihn weisen wie Er ist: ergrimmt.

Einmal war ich weich wie früher Weizen,
doch, du Rasender, du hast vermocht,
mir das hingehaltne Herz zu reizen,
daß es jetzt wie eines Löwen kocht.

Welchen Mund hast du mir zugemutet,
damals, da ich fast ein Knabe war:
eine Wunde wurde er: nun blutet
aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr.

Täglich tönte ich von neuen Nöten,
die du, Unersättlicher, ersannst,
und sie konnten mir den Mund nicht töten;
sieh du zu, wie du ihn stillen kannst,

wenn, die wir zerstoßen und zerstören,
erst verloren sind und fernverlaufen
und vergangen sind in der Gefahr:
denn dann will ich in den Trümmerhaufen
endlich meine Stimme wiederhören,
die von Anfang an ein Heulen war.

 

Spätherbst in Venedig

Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,
der alle aufgetauchten Tage fängt.
Die gläsernen Paläste klingen spröder
an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt

der Sommer wie ein Haufen Marionetten
kopfüber, müde, umgebracht.
Aber vom Grund aus alten Waldskeletten
steigt Willen auf: als sollte über Nacht

der General des Meeres die Galeeren
verdoppeln in dem wachen Arsenal,
um schon die nächste Morgenluft zu teeren

mit einer Flotte, welche ruderschlagend
sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend,
den großen Wind hat, strahlend und fatal.

 

Rainer Maria Rilke (4 december 1875 – 29 december 1926)

Portret door Helmut Westhoff

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Navid Kermani, James Agee, Nicole Brossard, Annette von Droste-Hülshoff

De Duits-Iraanse schrijver en islamist Navid Kermani werd geboren op 27 november 1967 in Siegen. Zie ook alle tags voor Navid Kermani op dit blog.

 

Uit: Dein Name

„Nach dem Frühstück fing er an, das Ritualgebet zu erlernen, die salât oder persisch das namâz. Die wesentlichen Texte und Abläufe sind ihm bekannt, hinter oder neben anderen hat er schon häufig gebetet. Aber allein zu beten, so daß man die Texte und Abläufe ohne nachzudenken selbst abspulen muß, ist anders. Man kommt schnell durcheinander. Er ist daher, als er einsah, beten zu müssen, weil er weder schreiben noch lesen konnte, zu den Vermietern der Scheune gegangen, um aus dem Internet eine Gebetsanleitung auf den Laptop zu laden. Man wird selbst mit der Analogleitung rasch fündig, tippt »Islamisches Gebet« in die Suchmaschine und kann schon den ersten Link gebrauchen. Da er den Laptop schlecht mit ans Waschbecken nehmen konnte, notierte er sich die neun Abschnitte der rituellen Waschung, des wozuh, am Rande des Feuilletons, das er unter der Ablage aus einer Kiste mit Altpapier nahm. Claus Peymann inszeniert Peter Handkes Spuren der Verirrten am Berliner Ensemble, was man auch nicht gesehen haben muß. Die Waschung hatte er schon oft vollzogen, mußte nur die Reihenfolge der Körperteile sich merken, was keine Viertelstunde dauerte.

Anschließend breitete er die gelbe Vliesdecke, auf der die Frau morgens Gymnastik treibt, neben dem Schreibtisch aus, richtete den Bildschirm so ein, daß er die Gebetsanleitung aus einem Meter Entfernung lesen konnte, stellte sich in Richtung Mekka auf das sozusagen goldene Vlies und betete. Dem Sohn, der immer wieder neben sich auf den Laptop blickte, sich auch mal verhaspelte und deshalb ein Gebet neu aufsagen oder die Verbeugung wiederholen mußte, gelang es nur sehr eingeschränkt, »seine Verbindung zur Außenwelt« abzubrechen und »sich nun in Gedanken vor Allah (t)« zu befinden, wie es die Gebetsanleitung vom Gläubigen verlangt. Im Sinne der Rechtsschulen war sein Gebet sicher nicht gültig, obwohl auch sie, andererseits, die gute Absicht honorieren und sein Bemühen daher kaum tadeln würden. Ihm half es am Morgen, er will nicht sagen: es befriedete, aber,

nein, abgelenkt kann er es auch nicht nennen, das wäre zu schwach, ihm hat das Gebet ermöglicht, diesen Absatz zu beginnen, statt weiter die Scheune wie eine Tier im Käfig auf und ab zu gehen.“

 

Navid Kermani (Siegen, 27 november 1967)

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