Susanne Fröhlich, Ted Berrigan

De Duitse schrijfster en journaliste Susanne Fröhlich werd geboren op 15 november 1962 in Frankfurt am Main. Zie ook alle tags voor Susanne Fröhlich op dit blog.

Uit: Heimvorteil

„Sie war überrascht, wie schnell Sterben gehen kann. So lautlos und ohne jedwedes Aufsehen.
Auf den Tag genau vor zehn Jahren ist Klaus gestorben. Da war sie gerade mal achtundfünfzig Jahre alt. Es war ein sonniger Frühlingstag, harmlos, ein ganz gewöhnli-cher Morgen. Klaus und sie haben gefrühstückt, 6.45 Uhr, wie immer. Als er sich die erste Zigarette des Tages an-stecken wollte, hatte sie gemeckert. Auch wie immer. »Sei nicht so eine zickige Ziege!«, hatte er erwidert. Und als sie in die Küche ging, um für beide eine weitere Tasse Kaffee zu holen, ist er vornüber auf den Tisch gesunken und war, als sie mit dem Kaffee ins Esszimmer zurück-kam, tot Ein Herzinfarkt. »Nichts zu machen, das war heftig! «, hatte der Notarzt nur gesagt und bedauernd den Kopf geschüttelt. Sie hatte sich hingesetzt und eine Zigarette aus Klaus’ Packung genommen. Sie, die Nichtraucherin. Er braucht sie ja nicht mehr, hatte sie nur gedacht. »Zickige Ziege« war das Letzte, was er zu ihr gesagt hatte. Weil sie, wie eigentlich jeden Morgen, genörgelt hatte. Ober seine Raucherei. Jetzt war es zu spät für jegliche Freundlich-keit »Gehen Sie nie schlafen oder getrennter Wege, ohne jede Streitigkeit aus dem Weg geräumt zu haben!«, lautet eine Weisheit aus Frauenzeitschriften. Aber sie war bloß mal eben in die Küche gegangen. Und statt zu rauchen, stirbt Klaus. Das kann man nun wirklich nicht ahnen. Da dürfte man ja nie was sagen. Er hat die kurze Gelegenheit genutzt, um sich davonzustehlen. So jedenfalls hat sie es eine Weile gesehen. Inzwischen ist sie milder gestimmt, zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Genug, um Tatsachen zu akzeptieren. Zweiundvierzig Jahre waren sie zusammen, seit der Schule. Sie haben die Mittlere Reife gemeinsam gemacht. Sie nennt es noch immer Mittlere Reife. Passt besser als Realschule, findet sie. Und Klaus macht sich einfach aus dem Staub. Stirbt. Nach all den Jahren, ohne jede Vor-warnung. Das hatte sie sich anders vorgestellt. Noch heute wird sie ein klein bisschen wütend, wenn sie daran denkt. Nie ist er zur Vorsorge gegangen, egal, wie sehr sie gedrängt hat. »Brauche ich nicht, keine Zeit, ich geh zum Arzt, wenn ich krank bin!«, waren seine Ausreden. »Das kommt davon!«, hätte sie ihm gerne am Grab hinterhergerufen. »Jetzt hast du wirklich keine Zeit mehr!«
Diese Wut hat ihre Trauer all die Jahre überschattet. Viel-leicht auch erträglicher gemacht. Heute, zum zehnjähri-gen Todestag, will sie rausfahren zum Grab. Das macht sie nur noch selten. Wozu auch? Es ist kein Ort, an dem sie Klaus nah ist. Aber waren sie sich je wirklich nah?”

 

Susanne Fröhlich (Frankfurt am Main, 15 november 1962)

 

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Zie ook alle tags voor Ted Berrigan op dit blog.

 

Nieuw persoonlijk gedicht

Voor Michael Lally

Je had je eigen redenen om jezelf in de weg te zitten. Je wilde niet
Duidelijk zijn voor jezelf. Je wist heel
Wat meer dan je
voor jezelf wilde weten. Ik voelde
Ter plekke een natuurlijke liefde voor je. RESPECT. Juist.
Mooi. Ik gebruik het woord niet lichtvaardig. lk
Protesteerde met welke liefde dan ook (eerlijkheid) (& frontale naaktheid) waar
Een, ja, in wezen gereserveerde, Iers-katholieke-Amerikaanse Providence Rhode
Island New Englander mee om kan gaan. Jij
Bent geraffineerd, niet ongecompliceerd, niet
Naïef en niet eenvoudig. Een Entertainer, & dat ben ik ook.
Frank O’Hara respecteerde de liefde, jij ook, & wij ook.
Hij was zichzelf en ik was ik. En toen we elkaar troffen
Elk zichzelf in Iowa, helemaal
Dat was liefde, & dat is het nog steeds, liefde, vandaag. Kun je mij zien
In wat ik zeg? Want ik zie ook dat je weet
In wat je te zeggen hebt, ik hield van Frank, net als ik hou
Van jou, “op de juiste manier”.
Dat is gewoon praten, geen Logos,
een aan de slag gaan met zaken:
Ik beschouw het als simpele bijzonderheden dat
we onze gevoelens op ons gezicht dragen.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)
Portret door Alex Katz, 1967

 

Voor nog meer schrijvers van de 15e november zie ook mijn blog van 15 november 2018 en eveneens mijn blog van 15 november 2015 deel 2 en eveneens deel 3.

Clemens J. Setz, Ted Berrigan

De Oostenrijkse dichter, schrijver en vertaler Clemens J. Setz werd geboren op 15 november 1982 in Graz. Zie ook alle tags voor Clemens J. Setz op dit blog.

Uit: Die zwischen Frau und Gitarre

„Da meldete sich der Fahrer. Er wisse nicht, wie er das machen solle, sagte er. Er bringe sie gern überall hin, aber der Ballon … Er sprach das Wort mit Betonung auf der ersten Silbe aus. Allein dafür hätte Natalie ihn ohrfeigen können. Die Musik in ihrem Kopf verstummte. Sie lehnte sich nach vorn. — Lassen Sie mich aussteigen, sagte sie. — Haben Sie Adresse? Nein, die hatte sie vergessen. Es war ja auch nicht der Sinn einer dreistündigen Verspätung, gut vorbereitet und mit allen Informationen versorgt zu sein, oder? Verdammter Idiot.
Ist egal, sagte sie. Ich steig hier bitte aus. Der Fahrer seufzte und hielt an. Weit waren sie nicht gekommen. – Ich habe gehofft, es ginge zumindest bis zur Stadtgrenze, sagte Natalie. Einfach so, ohne Fragen. Es hatte keinen Sinn mehr. Er hatte alles kaputtgemacht. – Ja soll ich Sie bringen? Bis Stadtgrenze? Ist ka Problem. Aber Bállon Der Fahrer deutete mit einer irritierend würdevollen Handbewegung auf das in großer Entfernung schwebende Flugobjekt. – Bállön, korrigierte Natalie und versuchte, sich von dem tiefehrlichen Taxifahrerschnurrbart, der ihr schneeweiß aus dem Gesicht entgegenleuchtete, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Hier. Stimmt so. Sie gab ihm einen Fünf-Euro-Schein, mehr als genug für eine so kurze Fahrt. Er bedankte sich kopfschüttelnd bei ihr, hielt den Schein in der Hand und blickte drein, als hätte er nun wirklich jeden Glauben an – aber nein, stellte Natalie fest, sein Glaube an die Menschheit war immer noch intakt. Da, man sah es an seinem Nacken. Bestimmt konnte er ganz viele Sprachen. Deprimiert stieg sie aus dem Taxi.

Es wäre ohnehin zu spät gewesen. Dreieinhalb Stunden. Sie hatte gestern Abend das Muskelrelaxans genommen, davon schlief sie zu gut. Sie überquerte die Straße und lief in einen heißen Sommerwindstoß. Unruhe überkam sie, die Hände und Fingerspitzen fühlten sich komisch an, aurig – das war ihr Wort, seit der Kindheit, für den Zustand, der einem Grand-Mal-Anfall vorauszugehen pflegte. Aura, aurig. Es war so, als wäre man in unangenehm heißer, dichter und intimer Verbindung mit der Umgebung. (Ist es wieder aurig?, fragte ihre Mutter, und Natalie nickte benommen.) Aber ihr letzter großer Anfall lag elf Jahre zurück. Mein Gott, einfach bis zur Stadtgrenze, ohne zu fragen – zumindest diese Freude hätte der Taxifahrer ihr machen können! Elender Weltbürger. Kein Wunder, dass Haare und Bart schneeweiß waren. Er lebte an den Verhältnissen vorbei. Da es sonst nichts gab, was ihr irgendeine Richtung vorschlug, ging sie weiter auf den kilometerweit entfernten Heißluftballon zu. Sie stellte sich vor, wie das Leben des Taxifahrers in seinem Heimatland gewesen sein musste. Heimatländer, das hatten sie ja alle. Sie schüttelte ihre Finger aus. Kein Anfall. Nicht hier auf der Straße. Nicht nach elf Jahren ohne. Nicht wegen ein paar Ballone … Ballons … Ballonen? Wie war die Mehrzahl? Okay, einfach nicht darüber nachdenken. Irgendeine Mehrzahl hat das Wort. Und sie ist unter diesen dreien. Ich bin wieder siebzehn, sagte sie sich. Der Gedanke konnte sie manchmal beruhigen. T-minus-eins. Bei null nächstes Jahr wird das Leben schlagartig stockdunkel und witzlos und mau.“

 

Clemens J. Setz (Graz, 15 november 1982)

 

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Zie ook alle tags voor Ted Berrigan op dit blog.

 

Persoonlijk gedicht nr. 9

Het is 8:54 uur in Brooklyn het is 26 juli
’t zal in Manhattan ook 8:54 uur zijn maar ik zit
in Brooklyn……ik eet muffins en drink een Pepsi
en ik zie hoe Brooklyn toch ook gewoon bij
New York hoort……heel gek……ik heb het altijd als iets
heel eigens gezien……iets als Bellows Falls……of
Little Chute……of Uijongbu

………………………………………… Nooit had ik op de
Williamsburg Bridge gedacht dat ik zo vaak in Brooklyn zou zijn
alleen om juristen en agenten die niet eens gewapend waren
mijn vrouw weg te zien halen en weer terugbrengen
………………………………………………………Nee
en ik had ook nooit gedacht dat Dick weer naar Gude zou gaan
geen baard meer zijn haar kort Carol verdiept in
zijn boeken en wij maar pokeren tot de zon
opkwam boven de Navy Yard aan de over-
kant van de rivier
……………………………Ik denk dat ik dacht aan
als ik wat verder was zo in de buurt van Perry Street
belezen beslapen verguisd en aanbeden
met nieuwe poëzie in voorbereiding
gedrukt op oud bruin papier in een gewone letter
vrouwelijk prachtig en sterk

 

Vertaald door Rutger H. Cornets de Groot

 

Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)

 

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Olga Grjasnowa, Norbert Krapf, Ted Berrigan

De Duitse schrijfster Olga Grjasnowa werd geboren op 14 november 1984 in Baku  Azerbeidzjan. Zie ook alle tags voor Olga Grjasnowa op dit blog.

Uit: Der verlorene Sohn

„Sommer 1839
An jenem letzten Morgen seines alten Lebens wurde Jamalludin von seiner Mutter geweckt. Sie kam zu ihm ins Zimmer, setzte sich an sein Bettlager, und Jamalludin wusste, dass sich etwas Unwiederbringliches ereignet hatte. Er spürte Patimats Körperwärme, wollte sich an sie kuscheln, seine Sorgen durch ihre Berührungen vertreiben lassen. Ihre Hand fuhr durch sein Haar. Er hörte das vertraute Klirren ihrer Armbänder, spürte ihre Haut, ihre Liebe. Gierig sog er Patimats Geruch ein und blieb da-bei unbeweglich liegen, eingewickelt in seine Decke. Er glaubte, so die Zeit anhalten zu können. Das Unaus-weichliche hinauszögern. Dennoch wollte er das sein, was alle Welt von ihm erwartete: ein Mann. Was das war, war ihm bereits mit neun Jahren nur allzu klar. Aber noch lieber wäre er heute ein kleiner Junge geblieben, hätte seine Mutter niemals losgelassen. »Du musst stark sein, mein Kleiner. Sei stolz. Sei mein Stolz. Sei ein Sohn deines Vaters«, flüsterte Patimat ihm ins Ohr. »Es ist nicht Rir lange. Du wirst bald wieder bei mir sein.« Patimat war die Mutter zweier Söhne, von denen einer heute den Russen als Pfand für die Dauer der Verhandlungen zwischen dem russischen Heer und den Gottes-kriegern des Imam Schamil überlassen werden sollte. Schamil war es Jahre zuvor gelungen, zum ersten Mal zahlreiche kaukasische Stämme zu vereinen und sie vom heiligen Kampf, dem Dschihad, gegen Russland zu über-zeugen. Bisher galt Schamil als unbesiegbar, ein Held seiner Zeit. Sein Mut und die entgegen aller Wahrscheinlichkeit errungenen Siege waren legendär. Seine Frau war jung, gebildet und schön, auch wenn das kaum noch jemand sah. Jetzt legte sie die Hand auf den Rücken ihres ältesten Sohnes und wartete auf etwas, das nicht passierte. Jamalludin ließ diesen Augenblick ebenfalls verstreichen und richtete sich schweigend auf. Er hatte verstanden. Patimat legte seine Kleider neben ihn und strich sie glatt. Sie waren schneeweiß, obwohl alles um sie herum voller Dreck war oder vielleicht gerade deswegen. Es waren die Kleider, die sie einst für den Tag des Sieges über die Russen zurückgelegt hatte. Jamalludin war ihnen fast entwachsen. Sie half ihm, sich anzuziehen, obwohl sie sich selbst kaum noch bewegen konnte. In wenigen Wochen erwartete sie ihr drittes Kind. Die Schwangerschaft hatte ihre Gesichtszüge weich werden lassen, ihre Bewegungen lang-sam und schläfrig. Ihre Augen waren genauso olivgrün wie seine: »Du kannst deinen Dolch mitnehmen, aber hüte dich davor, ihn gegenüber deinen Wächtern zu benutzen. Sie sind unsere Feinde, aber du solltest sie nicht provozieren.« Patimat hielt inne, als ob sie selbst vor dem von ihr Gesagten erschrocken wäre, und fuhr dann entschieden fort: »Sie werden dich gut behandeln.“

 

Olga Grjasnowa (Baku, 14 november 1984)

 

De Amerikaanse dichter, schrijver en vertaler Norbert Krapf werd geboren op 14 november 1943 in Jasper, Indiana. Zie ook alle tags voor Norbert Krapf op dit blog.

 

Horses Munching Grass, Blue Field, Evening

A brown and a black horse
munch grass close together
in a field below mountains

as the evening turns shades
of blue. The mountains are dark blue.
The sky stretched above is pale blue.

The only sound is the ripping of grass
by the horses’ teeth. I am not close
enough to hear this sound now,

but it resounds in my head because
two days ago these same two horses
came up to this casita right

across the fence as I stood watching
and happily listening on a balcony
as they ripped and munched grass.

The sound of brown and black horses
munching green grass in a blue field
below mountains with a thin strip

of white clouds skimming the top
of the mountains and white-blossoming
weeds in the foreground is a painting

framed in my mind which I will carry away
with me when I drive down from the mountains
where a part of me remains as eye and ear.

 

Northern New Mexico Night
for Katherine

You come into the presence
of this place so remote
in its quiet beauty,
a voice gentle in its insistence

on what is right but not obtrusive,
like one of the countless stars
in the northern New Mexico night
that sends its delayed light

toward me, as I look out the window,
from millions of years ago
but nonetheless fully present
in ways I do not fathom.

 

Norbert Krapf (Jasper, 14 november 1943)

 

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Zie ook alle tags voor Ted Berrigan op dit blog.

 

De Sonnetten: I

Zijn doordringende pince-nez. Een vage fries
Handen wijzen naar een vage fries, in de donkere nacht.
In het boek van zijn muziek zijn de hoeken recht gestreken:
Die hun aanwezigheid te danken hebben aan onze slapende handen.
Het ossenbloed uit de handen die spelen
Voor vuur voor warmte voor handen voor groei
Is er ruimte in de kamer waar je in huist?
Op zijn gestructureerde graf:
Toch betekenen ze iets. voor de dans
En de architectuur.
Heen en weer gaan tussen incidenten
Kan onheilspellend voor hem zijn
Wij zijn de slapende fragmenten van zijn hemel,
Wind die aanwezigheid verleent aan fragmenten.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 14e november ook mijn blog van 14 november 2020  deel 1 en ook deel 2 en ook  mijn blog van 14 november 2018 en eveneens mijn blog van 14 november 2015 deel 2.

Clemens J. Setz, Ted Berrigan

De Oostenrijkse dichter, schrijver en vertaler Clemens J. Setz werd geboren op 15 november 1982 in Graz. Zie ook alle tags voor Clemens J. Setz op dit blog.

Uit: Der Trost runder Dinge (Südliches Lazarettfeld)

„Ich weiß noch, dass ich an dem Tag recht früh erwachte. An Träume erinnere ich mich nicht. Ich zog mich an und trat auf den Balkon. Es wurde gerade hell, aber die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen. Ein leichter Wind bewegte die Katzenminze. Ich rauchte eine Zigarette und studierte dabei eine dämmerungsträge Spinne, die etwas oberhalb des Geländers in ihrem schon halb aufgegebenen Nachtnetz hing. Es war später März, und auf der Hausmauer war viel los. Die Feuerwanzen klebten schon wieder am Hinterteil zusammen.
Unten im noch dunklen Garten waren Autos geparkt mit aktivierten Sicherheitssystemen: Hinter jeder Windschutzscheibe blinkte eine kleine Raumstation. Ein Specht bearbeitete einen Baumstamm, aber er war schlecht synchronisiert, das Klopfen passte nicht zu seinen Kopfbewegungen. Er hüpfte mehrere Äste ab und maß dem Baum den Puls. Ich bekam davon ein mulmiges Gefühl, wie Durst, und ging zurück in die Wohnung, um etwas zu trinken. Wie immer, wenn man ein volles Glas Wasser durch einen Raum trägt, ohne dass es überschwappt, befiel mich das leicht übernatürliche Fernlenkgefühl. Selbst wenn ich versuchte, absichtlich ein bisschen Wasser zu verschütten, hielt mein inneres Lot irgendwie dagegen und glich alles aus. Zu Mittag würde ich nach Kanada fliegen, für vier Wochen. Es war der Flug OS 4977.
Für den Vormittag war Föhnwind vorhergesagt. Ich schaute mir Wetterseiten im Internet an und betrachtete später unser holzgeschnitztes Barometer im Vorzimmer. Es bestand aus zwei tanzenden Bauersleuten, einem Mann und einer Frau, und je nach Luftdruck verschwand einer von beiden in das Gehäuse. Zu keiner Zeit war es ihnen erlaubt, sich gemeinsam in ihrem Heim aufzuhalten. Wie fast jeden Morgen befiel mich beim An-blick des altertümlichen Messgeräts die Gewissheit, dass die sich ins Häuschen zurückdrehende Figur, sobald sie um die Ecke bog und unsichtbar wurde, in einer anderen, weit entfernten Wohnung, wenn nicht überhaupt auf einem ganz anderen Kontinent oder Planeten, in Erscheinung treten würde.
Ich kontrollierte die Zeit. Noch etwa eine Stunde, dann ging es los, Taxi, Flughafen, warten, dann fast einen halben Tag oben im Loch. Es half nicht viel, dass man aus dem Flugzeugfenster Wolkenfelder und den endlosen Atlantik würde sehen können, man war abgeschnitten von der Welt, man erstreckte sich nicht mehr. Ich hörte, dass meine Frau aufgestanden war: Im Schlaf-zimmer wurden alle über Nacht aufgerollten Teppichecken heruntergeklappt. Dann lief sie, ohne mich zu bemerken, an mir vorbei, und im Raum roch es für einen Augenblick nach et-was lang Vergangenem, nach Adventskalender oder Dinosaurierbuch.“

 

Clemens J. Setz (Graz, 15 november 1982)

 

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Zie ook alle tags voor Ted Berrigan op dit blog.

 

De sonnetten: XLI

rond stotend in een sigaret, ze is niet “verliefd”
mijn droom een drankje met Ira Hayes wij bespreken de code van het westen
mijn handen vrijen met mijn lichaam als ik mijn armen om je heen sla
je vertelt me nooit hoe je heet
en ik ben gedwongen ‘buik’ te schrijven als ik ‘liefde’ bedoel
Au revoir, scène!
Ik word wakker, lees, schrijf lange brieven en
dwaal rusteloos rond als de bladeren waaien
mijn droom een verfrommelde hoorn
voorafgaand aan de gebroken arm
zij mompelt iets over wenken voor haar vingers
huilt in de ochtend om zo geketend door liefde wakker te worden
Ik niet. Ik hou ervan mensen in elkaar te slaan.
Mijn droom een witte boom

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)

 

Voor nog meer schrijvers van de 15e november zie ook mijn blog van 15 november 2018 en eveneens mijn blog van 15 november 2015 deel 2 en eveneens deel 3.

Jan Terlouw, Clemens J. Setz, Wolf Biermann, Ted Berrigan, J. G. Ballard, Gerhart Hauptmann, Liane Dirks, Lucien Rebatet, Marianne Moore

De Nederlandse schrijver, fysicus en voormalig politicus voor Democraten 66 Jan Terlouw werd geboren in Kamperveen op 15 november 1931. Zie ook alle tags voor Jan Terlouw op dit blog.

Uit: Het hebzuchtgas

“Het water kwam toch nog onverwacht in het land Tradicië, al had de president daar vaak voor gewaarschuwd, evenals de wetenschappers die zich bezighielden met de klimaatverandering.
Dat de zeespiegel steeg, was natuurlijk bekend. Al jaren werden overal in het land de dijken verhoogd, en lagen plannen klaar voor evacuatie van de bevolking, voor als de nood aan de man zou komen.
Tot ergernis van de regering had de president bijna al zijn toespraken geëindigd met de waarschuwing dat er volstrekt onvoldoende werd gedaan om de stijging van de temperatuur van de aarde te stoppen. Maar ja, de president besliste zelf wat hij zei. Dat was vroeger anders geweest, toen Tradicië nog een monarchie was. Toen was de koning de enige persoon in het land die niet mocht zeggen wat hij wilde, wat hij vond. Voordat zijn gedachten naar buiten kwamen, moesten ze worden goedgekeurd door een minister.
Er was een dag gekomen dat de koning dat niet meer pikte. Hij had in het geheim een boek geschreven en laten drukken, waarin een lawine van eigen gedachten stond en dat boek had hij op een ochtend naar het kabinet gestuurd, met een briefje erbij waarin hij meedeelde dat hij met vakantie was gegaan en nooit meer terug zou komen. Het boek werd een wereldsucces, de ex-koning kon er goed van leven.
Het land moest dus maar een republiek worden, met een president. Alle politieke partijen waren het erover eens dat de gekozen president zo min mogelijk macht moest krijgen. Lintjes doorknippen, dus nieuwe gebouwen openen en zo, bij feestdagen een toespraakje, daar moest het bij blijven. Zo kwam het in de nieuwe grondwet te staan. Daarna werden er verkiezingen gehouden voor de eerste president van Tradicië. Gekozen werd Stefan de Wolf, een man van negenenzestig jaar, bioloog, iemand die alles wist van torren en kevers en daar zo boeiend over kon vertellen dat iedereen aan zijn lippen hing. De leden van het kabinet en van het parlement waren tevreden, deze wereldvreemde natuurvorser zou geen kwaad kunnen, bovendien had hij nauwelijks bevoegdheden.
Maar hij had wel degelijk iets te zeggen. Hij had opvattingen. Bevoegdheden of niet, hij hield zijn mond niet. Hij werd geregeld uitgenodigd voor een televisieprogramma en zei dan dingen waar veel mensen het mee eens waren. Dat was soms het tegenovergestelde van wat een minister de vorige dag had gezegd. De leden van het parlement hoorden dat allemaal ook, ze wilden graag herkozen worden, dus hielden ze veel rekening met de opvattingen van de president die zo populair was. Het kabinet verlangde terug naar de monarchie met zijn gemuilkorfde koning.”
En nu was daar de orkaan Diana, eerst van categorie drie, daarna plotseling uitgegroeid tot een verwoestende storm van categorie vijf, en met een koers regelrecht naar de Tradicische kust. De bewoners van de eerst bedreigde steden werden geëvacueerd met treinen en bussen.

 

 
Jan Terlouw (Kamperveen, 15 november 1931)

 

De Oostenrijkse dichter, schrijver en vertaler Clemens J. Setz werd geboren op 15 november 1982 in Graz. Zie ook alle tags voor Clemens J. Setz op dit blog.

Uit: Die Frequenzen

„Gerade als er eine passende Formulierung für seine Begrüßung gefunden hatte, wurde der junge Mann am Zugfenster von einem Tunnel überrascht, dessen unvermittelt einsetzende Finsternis ihm wie zur Verhöhnung sein bleiches Gesicht In der zitternden Fensterscheibe vorhielt. Sein Gesichtausdruck, der halb offen stehende Mund und die quecksilbrig über sein Spiegelbild wandernden Regen-tropfen gaben ihm für einen Augenblick das Gefühl, in eine Falle getappt zu sein. Er schüttelte den Kopf über seine Schreckhaftigkeit, griff in die Mantelinnentasche und berührte die kleine, scharfkantige Fahrkarte, nur um sich zu versichern, dass alles in Ordnung war. Dabei streifte er an sein Hemd. Es war schweißnass. Nach kurzem tauchte der Zug wieder aus dem Tunnel, zurück ins trübe Tageslicht. Der grau gefleckte Oktober-himmel hing immer noch schwermütig und tief über der Landschaft. Wenn man lange genug schaute, wirkte er sogar ein wenig durchhängend, als befände man sich unter einer Matratze In einer riesigen Schlafkoje. Der junge Mann stellte verärgert fest, dass er seine Begrüßung wieder vergessen hatte, und versuchte sich zu erinnern, aber das Einzige, was ihm in den Sinn kam, war die verschwommene Endlosschleife der vorübersau-senden Vegetation am Rand der Bahnstrecke, vor dem Tunnel, als er aus dem Fenster gestarrt hatte. Während er nachdachte, legte sich ein Knöchel seiner linken Hand auf seine Oberlippe und wanderte langsam Richtung Nasen-spitze. Als die Hand dort angekommen war, sprang ein Funke über und ihm wurde klar, dass alle Anstrengungen zwecklos waren, die Formulierung war verschwunden, für alle Zeiten verloren.“

 

 
Clemens J. Setz (Graz, 15 november 1982)

 

De Duitse zanger, dichter en schrijver Wolf Biermann werd geboren op 15 november 1936 in Hamburg. Zie ook alle tags voor Wolf Biermann op dit blog.

 

Die Stasi-Ballade (Fragment)

Oder nehmen wir zum Beispiel
meinen sexuellen Freistil
meine Art, die so fatal war
und für meine Frau ne Qual war
nämlich diese ungeheuer
dumme Lust auf Abenteuer
-seit ich weiß, dass die Genossen
wachsam sind, ist ausgeschlossen,
dass ich schamlos meine Pfläumen
pflücke von diversen Bäumen
denn ich müßte ja riskieren,
dass sie alles registrieren
und dann meiner Frau servieren
sowas würde mich geniern
also spring ich nie zu Seit
spare Nervenkraft und Zeit
die so aufgesparte Glut
kommt dann meinem Werk zugut
-kurzgesagt: die Sicherheit
sichert mir die Ewig
sichert mir die Ewig
sichert mir Unsterblichkeit

Ach, mein Herz wird doch beklommen
solltet ihr mal plötzlich kommen
kämet ihr in euerer raschen
Art, Genossen, um zu kaschen
seis zuhaus bei meinem Weib
meinem armen nackten Leib
ohne menschliches Erbarmen
grade, wenn wir uns umarmen
oder irgendwo und wann
mit dem Teufel Havemann
Wenn wir singen oder grad
Konjak kippen, das wär schad
ach, bedenkt: ich sitz hier fest
darf nach Ost, nicht nach West
darf nicht singen, darf nicht schrein
darf nicht, was ich bin, auch sein
-holtet ihr mich also doch
eines schwarzen Tags ins Loch
ach, für mich wär das doch fast
nichts als ein verschärfter
nichts als ein verschärfter
nichts als ein verschärfter Knast

(Nachbemerkung und Zurücknahme
Doch ich will nicht auf die Spitze
treiben meine Galgenwitze
Gott weiß- es gibt Schöneres
als grad eure Schnauzen
Schönre Löcher gibt es auch
als das Loch von Bautzen )

 

 
Wolf Biermann (Hamburg, 15 november 1936)
Hier geflankeerd door voormalig bondsdagpresident Norbert Lammert en Angela Merkel

 

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Zie ook alle tags voor Ted Berrigan op dit blog.

 

Things To Do In New York (City)
for Peter Schjeldahl

Wake up high up
frame bent & turned on
Moving slowly
& by the numbers
light cigarette
Dress in basic black
& reading a lovely old man’s book:

BY THE WATERS OF MANHATTAN

change

flashback

play cribbage on the Williamsburg Bridge
watching the boats sail by
the sun, like a monument,
move slowly up the sky
above the bloody rush:

break yr legs & break yr heart
kiss the girls & make them cry
loving the gods & seeing them die

celebrate your own
& everyone else’s birth:

Make friends forever
& go away

 

Chinese Nightingale

We are involved in a transpersonified state
Revolution, which is turning yourself around
I am asleep next to ‘The Hulk’. ‘The Hulk’ often sleeps
While I am awake & vice-versa. Life is less than ideal
For a monkey in love with a nymphomaniac! God is fired!
Do I need the moon to remain free? To explode softly
In a halo of moon rays? Do I need to be
On my human feet, straight, talking, free
Will sleep cure the deaf-mute’s heartbreak? Am I
In my own way, America? Rolling downhill, & away?
The door to the river is closed, my heart is breaking
Loose from sheer inertia. All I do is bumble. No
Matter. We live together in the jungle.

 

 
Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)

 

De Britse dichter en schrijver James Graham Ballard werd geboren in Shanghai op 15 november 1930. Zie ook alle tags voor J. G. Ballard op dit blog.

Uit: Miracles of Life

“But I was intrigued by the small scars on her arms, the calluses on her hands she had probably carried from childhood, and tried to reconstruct the life she had led, the long years as a medical student, her first affairs, marriage and children. One day I found her dissected head in the locker among the other heads. The exposed layers of muscles in her face were like the pages of an ancient book, or a pack of cards waiting to be reshuffled into another life.
And all the while, in a wooden box under my bed at King’s, slept the bones of a small Asian farmer who had once planted rice, smoked his pipe in the evenings and watched his grandchildren grow. After his death his body had been boiled down to the white sticks that were sold on to an English medical student who had once boiled a rabbit to its bones. His skeleton, in the same pine box, has probably guided generations of Cambridge students, who have sat at their desks and explored his ribs and pelvis, feeling the bony points of his skull as if assembling the armature of a soul. Patiently, he has lived on.
My years in the dissection room were important because they taught me that though death was the end, the human imagination and the human spirit could triumph over our own dissolution. In many ways my entire fiction is the dissection of a deep pathology that I had witnessed in Shanghai and later in the post-war world, from the threat of nuclear war to the assassination of President Kennedy, from the death of my wife to the violence that underpinned the entertainment culture of the last decades of the century. Or it may be that my two years in the dissecting room were an unconscious way of keeping Shanghai alive by other means.
At all events, by the time I completed the anatomy course I had really completed my time at Cambridge. It had supplied me with a huge stock of memories, of mysterious feelings for the dead doctors who in a sense had come to my aid, and with a vast fund of anatomical metaphors that would thread through all my fiction. The hours in the dissecting room were backed up by the anatomy lectures and the time I spent reading in the anatomy library, where I became friends with an émigré Pole who was an assistant librarian, had served in the Polish Army and escaped to the West through Iraq.”

 

 
J. G. Ballard (15 november 1930 – 19 april 2009)
Cover

 

De Duitse dichter en schrijver Gerhart Hauptmann werd geboren in Obersalzbrunn (Neder-Silezië) op 15 november 1862. Zie ook alle tags voor Gerhart Hauptmann op dit blog.

Uit: Das Abenteuer meiner Jugend

“Anfang und Ende des Lebens, heißt es, sind dem Lebenden selbst in Dunkel gehüllt. Niemand kann sein geistiges Dasein vom Tage seiner Geburt datieren. So bin ich erst am Beginn meines zweiten Lebensjahres zum Bewußtsein erweckt worden und bewahre davon bis heute die Erinnerung.
Ich konnte weder sitzen noch liegen, weil mein Rücken und mein Gesäß, wie man mir später erklärt hat, zerprügelt und zerschunden war. Mein eigener Gedanke und deutlicher Lichtblitz aber war: Was soll aus mir werden, wenn ich beim Sitzen und Liegen maßlose Schmerzen habe?
Es ist meine Amme gewesen, die mich so mißhandelt hat. An die Prügelprozedur selbst habe ich jedoch keine Erinnerung.
Schmerz also hat meinen Geist erweckt, Leiden mich zum Bewußtsein gebracht.
Ich saß auf dem Arm der Kinderfrau und schrie, durch irgend etwas aufs schwerste beleidigt. Die Brave trug mich durch einen dunklen Korridor, der auf den Hof unsres Anwesens führte. Dort brüllte mich eine Stimme an, die mich stumm machte. Das war meine erste Begegnung mit dem preußischen Unteroffizier und die zweite Phase meines Bewußtwerdens.
Der ganze Hof lag voll Militär.
Eines Tages saß ich, von meinem Kindermädchen gehalten, auf dem Fensterbrett eines offenen Fensters und guckte auf den Vorplatz hinab. Dort wurden beim Toben der Regimentsmusik Remontepferde zugeritten. Sie stiegen kerzengrade in die Luft, sie bockten und keilten hinten aus, besonders die wütend geführten Schläge der Pauker machten sie unsinnig.
Es war, wie ich später erfahren habe, kurz vor der Schlacht bei Königgrätz.
Berührungen zwischen den Sinnen und Objekten, heißt es, veranlassen die Bewegung im Geiste des Neugeborenen, die ihn nach allen Dingen greifen läßt. Dies geschieht etwa bis zum dritten Lebensjahr.
Mit dem vierten Jahr ist es in mir bereits überraschend hell geworden.
Eines Tages erschienen fremde Soldaten, Österreicher, auf der Dorfstraße. Es waren Gefangene und Verwundete, hatte ich aufgefaßt. Der eine trug ein weißes, blutiges Tuch um den Hals. Ich nahm an, ihm sei der Kopf vom Rumpfe geschnitten und werde daran durch das Tuch festgehalten. Ein Gefangener hieß Boaba. Er war Tscheche und sprach nicht Deutsch.
Um jene Zeit hatten sich bereits die Gestalten zweier Knaben, meiner Brüder, in meine Seele eingeprägt. Die verwundeten Feinde in den Lazaretten empfingen von ihnen alle möglichen Wohltaten. Georg, der ältere, schrieb von früh bis abends Briefe für sie. Von ihm und dem jüngeren Bruder Carl wurde täglich die Speisekammer der Mutter ausgeplündert und der Raub den kranken Soldaten zugesteckt.“

 

 
Gerhart Hauptmann (15 november 1862 – 6 juni 1946)
Als 19-jarige in 1881

 

De Duitse dichteres en schrijfster Liane Dirks werd geboren op 15 november 1965 in Hamburg. Zie ook alle tags voor Liane Dirks op dit blog.

Uit: Sich ins Leben schreiben

“Schrei ben ist etwas Wunderbares. Schrei bend kann man Welten entwerfen, Pläne schmieden, Nachrichten hinterlassen. Schreibend kann man erzählen von dem, was war und von dem, was kommen soll. Schrei ben ist Magie. Es stellt nie gesehene Landscha en her und es bewahrt Weisheiten, die drohen, in Vergessenheit zu geraten. Schrei bend kann man Kontakt mit der ganzen Welt aufnehmen, wie viel leichter ist das heute als zu Zeiten, in denen die Schri erst entstand! Schrei bend kann man aber auch Kontakt zu sich selbst aufnehmen, mehr noch, man kann sich schrei bend selbst entdecken. Und schrei bend kann man sich sogar begleiten auf einem Weg, der einen selbst immer mehr in Erscheinung treten lässt. Schreibend kann man sich selbst zum Leitstern werden. Dass ich dies entdeckte, ist viele Jahre her und es geschah mithilfe eines Traumes. Damals war ich jung, schmal und das, was man ein verletztes Wesen nennen kann. Meinen Verletzungen nicht zu erliegen, hatte ich bereits beschlossen, aber der Weg der Heilung sollte ein langer, ein schwieriger sein. Vermutlich gehe ich ihn sogar noch immer. Meinen Beruf hatte ich zu der Zeit schon an den Nagel gehängt, ich hatte fristlos einen festen Angestelltenjob gekündigt, meine junge Ehe ebenso forsch verlassen, doch den eigentlichen Anlass für all das, den Wunsch, Autorin werden zu wollen, wagte ich kaum vor mir selbst auszusprechen. Stattdessen hatte ich zunächst die Welt bereist, versucht, allerorten Gutes zu tun, immer war ich mit einem Au rag unterwegs– mich für andere zu engagieren schien doch einfacher zu sein, als selbiges für mich zu tun. Ich lebte mit einem Freund, der sein gut gemeintes Mitleid vor sich hertrug, es erniedrigte eher als dass es mich stärkte, und dennoch lebten wir zusammen. Wir engagierten uns, kämp en für das, was wir für gerecht und richtig hielten, wir eiferten unseren Idolen nach, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, siezten uns zwischendurch sogar wie das berühmte Paar, lasen die Bücher der Anarchisten und tranken den Kaff ee schwarz und ohne Zucker. Mein Zimmer war schön, mein Leben begrenzt. Die Texte, die ich schrieb, litten an ihrer Kürze, aus mir wollte einfach nichts heraus. Und doch hätte das alles noch lange so weitergehen können, wäre da nicht dieser wehmütig gebundene Schmerz gewesen, der von anderem wusste, von Größerem, Tieferem, von Freiheit. Von mir selbst. Und dann kam dieser Traum, ein eher unspektakuläres Gebilde, gemessen an den Geschichten, die mir meine Seele sonst erzählt: Im Traum sah ich mich am Rande eines Zeltlagers an einer Kochstelle hocken. Ich rührte langsam und mit Bedacht in einem Kessel, der über dem off enen Feuer hing. Um mich her lagerten noch andere Menschen, die Stimmung war friedlich, das Leben schlicht und aufgeräumt. Ich musste wohl schon lange dort gewesen sein, so jedenfalls fühlte es sich an. Doch dann hob ich den Kopf, so wie es nur im Traum geht, als täte ich es das erste Mal, und ich sah, dass wir unmittelbar am Rand eines Deiches lagerten, auf dessen Kuppe ein Weg verlief.“

 

 
Liane Dirks (Hamburg, 15 november 1965)

 

De Franse schrijver en journalist Lucien Rebatet werd geboren op 15 november 1903 in Moras -en- Valloire, Drôme. Zie ook alle tags voor Lucien Rebatet op dit blog.

Uit: Les décombres

« Nombre de fuyards galonnés étaient en ménage, roulant à côté d’une femme, dans des voitures aux matricules militaires, ayant dégringolé de l’Oise ou de l’Aisne pour évacuer de Passy, de Montmartre, de Montparnasse leur épouse, leur maîtresse, leurs titres, leurs comptes en banque et leur pékinois. Les camarades du front n’avaient pas menti. Deux ch’timis du Nord, rescapés des années de Belgique, que nous avions pris dans notre camionnette, ricanaient : « Ça ne change point. C’est comme ça depuis la Meuse. » Et l’on voulait se battre encore, avec des chefs qui jetaient ainsi au vent de la panique leurs plus élémentaires devoirs ! Nous longeâmes le camp d’aviation d’Étampes-Mondésir qui avait subi un grave bombardement. De vastes bâtiments incendiés montraient leurs carcasses noircies. Les terrains étaient labourés d’entonnoirs gigantesques, semés de débris d’appareils. Nous dépassions les burlesques de l’exode, des petits vieux à barbiches qui prétendaient véhiculer une nichée de six ou sept brus, filles, soeurs, cousins ou lardons, avec la cargaison afférente, à bord d’une pétrolette de cinq chevaux et de vingt-cinq ans d’âge, toussant et crachant sur ses roues branlantes, une véritable auto pour Laurel et Hardy. Nous laissions loin en arrière de lourds chars à foin, traînés par de gros chevaux de labour butant à chaque pas, la tête pendante, qui portaient depuis des jours et des jours toute une famille morne, des vieillards en chapeaux ronds, des paysannes, des gamins silencieux enveloppés de fichus noirs, avec des seaux à toilette, des réchauds à charbon de bois, des marmites pleines de suie et des poulets vivants dans des cageots. »

 

 
Lucien Rebatet (15 november 1903 – 24 augustus 1972)
Cover

 

De Amerikaanse dichteres Marianne Moore werd geboren op 15 november 1887 in Kirkwood, Missouri. Zie ook alle tags voor Marianne Moore op dit blog.

 

Spenser’s Ireland

has not altered; –
a place as kind as it is green,
the greenest place I’ve never seen.
Every name is a tune.
Denunciations do not affect
the culprit; nor blows, but it
is torture to him to not be spoken to.
They’re natural,-
the coat, like Venus’
mantle lined with stars,
buttoned close at the neck,-the sleeves new from disuse.

If in Ireland
they play the harp backward at need,
and gather at midday the seed
of the fern, eluding
their ‘giants all covered with iron,’ might
there be fern seed for unlearn-
ing obduracy and for reinstating
the enchantment?
Hindered characters
seldom have mothers
in Irish stories, but they all have grandmothers.

It was Irish;
a match not a marriage was made
when my great great grandmother’d said
with native genius for
disunion, ‘Although your suitor be
perfection, one objection
is enough; he is not
Irish.’ Outwitting
the fairies, befriending the furies,
whoever again
and again says, ‘I’ll never give in,’ never sees

that you’re not free
until you’ve been made captive by
supreme belief,- credulity
you say? When large dainty
fingers tremblingly divide the wings
of the fly for mid-July
with a needle and wrap it with peacock-tail,
or tie wool and
buzzard’s wing, their pride,
like the enchanter’s
is in care, not madness. Concurring hands divide

flax for damask
that when bleached by Irish weather
has the silvered chamois-leather
water-tightness of a
skin. Twisted torcs and gold new-moon-shaped
lunulae aren’t jewelry
like the purple-coral fuchsia-tree’s. Eire-
the guillemot
so neat and the hen
of the heath and the
linnet spinet-sweet-bespeak relentlessness? Then

they are to me
like enchanted Earl Gerald who
changed himself into a stag, to
a great green-eyed cat of
the mountain. Discommodity makes
them invisible; they’ve dis-
appeared. The Irish say your trouble is their
trouble and your
joy their joy? I wish
I could believe it;
I am troubled, I’m dissatisfied, I’m Irish.

 

 
Marianne Moore (15 november 1887 – 5 februari 1972)

 

Voor nog meer schrijvers van de 15e november zie ook mijn blog van 15 november 2015 deel 2 en eveneens deel 3.

Clemens J. Setz, Jan Terlouw, Wolf Biermann, Ted Berrigan, J. G. Ballard, Gerhart Hauptmann, Liane Dirks, Lucien Rebatet, Marianne Moore

De Oostenrijkse dichter, schrijver en vertaler Clemens J. Setz werd geboren op 15 november 1982 in Graz. Zie ook alle tags voor Clemens J. Setz op dit blog.

Uit: Söhne und Planeten

„Ein grauhaariger Mann stand klatschend in der Herrengasse. Obwohl es leicht regnete und viele Passanten Schirme wie buntfarbige Sprechblasen über ihren Köpfen spazieren trugen, schaute der Mann in den Himmel und spendete ihm Beifall. Die meisten Menschen wichen der seltsamen Erscheinung aus. Viele wurden auch langsamer, als sie näher kamen, und suchten nach einer Sammelbüchse oder einem Hut, in die man Münzen werfen konnte. Aber da es nichts dergleichen gab, blieb ihnen nur übrig anzunehmen, dass der Mann ein Verrückter war. Ein Kind, das an der Hand seiner Mutter ging, begann ebenfalls zu klatschen, als es den Mami bemerkte. Die Mutter griff sofort ein und bog die Hände des Kindes wieder auseinander. Dabei fiel ihr der Schirm auf den Boden.
René Templ trat versehentlich auf den Schirm, stolperte und stieß gegen die Einkaufstasche der Frau. Er entschuldigte sich und hob das Ding auf, putzte es umständlich ab und gab es ihr zurück. Templ schaute ihr nach, als sie die Straßenseite wechselte. Der Schirm hatte ein wenig an Symmetrie eingebüßt und eierte, wenn man ihn drehte. Nichts bleibt für lange Zeit unversehrt. Das Bild in Natalies Wohnung war aus dem Rahmen gefallen und sie hatten es gemeinsam wieder an seine Stelle gehängt. Das hatte zwei Stunden gedauert. Danach war nur mehr Zeit für eine kurze Umarmung geblieben. Er hatte seine Hose anbehalten. Ein merkwürdiges Bild: Ein endloser Raum, angefüllt mit den immer gleichen geometrischen Figuren. Würfel, miteinander verbunden durch längliche Quader.
Der Weg nach Hause führte ihn jeden Tag durch die Innere Stadt. Er liebte diesen Stadtteil, weil er sehr weit von seiner Wohnadresse entfernt lag. Wenn er von dieser wohltuenden Ferne wieder genug hatte, fuhr er mit der Straßenbahnlinie 7 bis zur Eggenberger Allee. Hier, versteckt zwischen zwei imposanten Mehrfamilienhäusern, wohnte er in einem kompakten, aber immerhin zweistöckigen Haus. In der kleinen Auffahrt stand eine alte, rostige Wäschestange, auf der sein Sohn früher geturnt hatte. Jetzt freilich ging das nicht mehr. Den Garten ließ er, so gut es ging, verwildern. Ein Vogelhäuschen gab es dort, das er nicht gebaut hatte. Am Haus selbst hatte er kaum jemals etwas reparieren müssen. Und in einem dicken Zementblock eingemauert kauerte ein Gartengrill, den er noch nie verwendet hatte. Sein Leben hier war das des fantasielosen Nachmieters. Spuren hinterließ René Templ nur in seinem Arbeitszimmer, und auch da nur in kleinen überschaubaren Ausmaßen. Er tippte auf der Schreibmaschine seine handtellergroßen Geschichten, die er dann anschließend in stundenlanger Arbeit revidierte oder in ausfiihrlichen Selbstgesprächen kommentierte. An Programme zur Textverarbeitung und deren unberechenbares Verhalten hatte er sich nie gewöhnen können. Vom Fenster aus sah man direkt auf die Allee.“

 
Clemens J. Setz (Graz, 15 november 1982)

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Ted Berrigan

De Amerikaanse dichter Ted Berrigan werd geboren op 15 november 1934 in Providence, Rhode Island. Na de middelbare school bezocht hij een jaar lang Providence College voordat hij in het Amerikaanse leger ging. Na drie jaar in het leger, beëindigde hij zijn universitaire studies aan de Universiteit van Tulsa in Oklahoma, waar hij in 1959 een BA in Engelse taal behaalde en in 1962 net kort kwam voor de vereisten voor een MA. Berrigan was een prominente figuur in de tweede generatie van de New York School of Poets, waartoe ook Jim Carroll, Anselm Hollo, Alice Notley, Ron Padgett, Anne Waldman, Bernadette Mayer en Lewis Warsh behoorden. Hij heeft samengewerkt met Padgett en Joe Brainard op “Bean Spasms”, een werk dat belangrijk is bij het afwijzen van traditionele concepten van eigendom. Hoewel Berrigan, Padgett en Brainard allemaal individuele gedichten schreven voor het boek, en samengewerkten bij vele anderen, werden er geen auteurs opgenomen voor individuele gedichten. De dichter Frank O’Hara noemde Berrigan’s meest significante publicatie, The Sonnets, ‘een feit van de moderne poëzie’. Sinds de oorspronkelijke publicatie in 1964 izijn “The Sonnets” beschouwd als een belangrijke esthetische verklaring van zowel de New York School als de 20e eeuwse Amerikaanse poëzie als geheel, beinvloed als zij zijn door de eerste generatie New York School dichters (in het bijzonder John Ashbery, Frank O’Hara en Kenneth Koch), de compositietheorieën van John Cage, de filosofieën van Alfred North Whitehead en door het gebruik van een door de tijd heen bewezen poëtische vorm, die variëert van William Shakespeare tot Edwin Denby. Berrigan was getrouwd met Sandy Berrigan, die eveneens dichtte, en met wie hij twee kinderen kreeg, David en Kate. Berrigan en zijn tweede vrouw, de dichteres Alice Notley, waren meerdere jaren actief in de poëziescène in Chicago en verhuisden vervolgens naar New York City, waar hij diverse tijdschriften en boeken bewerkt.

The Sonnets: I

His piercing pince-nez. Some dim frieze
Hands point to a dim frieze, in the dark night.
In the book of his music the corners have straightened:
Which owe their presence to our sleeping hands.
The ox-blood from the hands which play
For fire for warmth for hands for growth
Is there room in the room that you room in?
Upon his structured tomb:
Still they mean something. For the dance
And the architecture.
Weave among incidents
May be portentous to him
We are the sleeping fragments of his sky,
Wind giving presence to fragments.

 

The Sonnets: III

Stronger than alcohol, more great than song,
deep in whose reeds great elephants decay,
I, an island, sail, and my shoes toss
on a fragrant evening, fraught with sadness
bristling hate.
It’s true, I weep too much. Dawns break
slow kisses on the eyelids of the sea,
what other men sometimes have thought they’ve seen.
And since then I’ve been bathing in the poem
lifting her shadowy flowers up for me,
and hurled by hurricanes to a birdless place
the waving flags, nor pass by prison ships
O let me burst, and I be lost at sea!
and fall on my knees then, womanly.

 

A Certain Slant Of Sunlight

In Africa the wine is cheap, and it is
on St. Mark’s Place too, beneath a white moon.
I’ll go there tomorrow, dark bulk hooded
against what is hurled down at me in my no hat
which is weather: the tall pretty girl in the print dress
under the fur collar of her cloth coat will be standing
by the wire fence where the wild flowers grow not too tall
her eyes will be deep brown and her hair styled 1941 American
will be too; but
I’ll be shattered by then
But now I’m not and can also picture white clouds
impossibly high in blue sky over small boy heartbroken
to be dressed in black knickers, black coat, white shirt,
buster-brown collar, flowing black bow-tie
her hand lightly fallen on his shoulder, faded sunlight falling
across the picture, mother & son, 33 & 7, First Communion Day, 1941–
I’ll go out for a drink with one of my demons tonight
they are dry in Colorado 1980 spring snow.

 
Ted Berrigan (15 november 1934 – 4 juli 1983)