Joseph Conrad, Hendrik Conscience, Herman Heijermans, Grace Andreacchi, Ugo Riccarelli

De Brits-Poolse schrijver Joseph Conrad werd geboren op 3 december 1857 in Berdichev, Rusland in een gezin met Poolse ouders. Zie ook alle tags voor Joseph Conrad op dit blog.

 

Uit: Gabrielle oder Die Rückkehr (Vertaald door S. Zeitz)

“Sie haben mich betrogen – jetzt halten Sie ihn zum Narren … Es ist scheußlich! Warum?”
“Ich habe mich selbst betrogen!” rief sie.
“Ach! Unsinn!” sagte er ungeduldig.
“Ich bin bereit zu gehen, wenn Sie es wünschen”, fuhr sie hastig fort. “Es stand Ihnen zu – informiert zu werden – alles zu wissen. Nein! Ich konnte es nicht!” wimmerte sie und rang verstohlen die Hände.
“Ich bin froh, dass Sie Reue empfanden, bevor es zu spät war”, sagte er mit tonloser Stimme und betrachtete seine Stiefel. “Ich bin froh … der Anflug eines besseren Gefühls”, murmelte er, wie zu sich selbst. Nach einem Moment brütenden Schweigens hob er den Kopf. “Ich bin froh zu sehen, dass Ihnen eine Spur von Anstand geblieben ist”, fügte er ein wenig lauter hinzu. Während er sie anblickte, schien er zu zögern, als versuchte er, die möglichen Folgen dessen abzuschätzen, was er sagen wollte, und schließlich platzte er heraus:
“Immerhin habe ich Sie geliebt …”
“Das habe ich nicht gewusst”, flüsterte sie.
“Gute Gott!” schrie er. “Was glauben Sie, weshalb ich Sie geheiratet habe?”
Sein fehlendes Feingefühl, seine Stumpfheit entfachten ihre Wut.
“Ach – weshalb?” zischte sie durch die Zähne.
Er schien von Grauen überwältigt und hing an ihren Lippen wie in Angst.
“Ich habe mir alles mögliche vorgestellt”, erklärte sie langsam und hielt inne. Mit angehaltenem Atem beobachtete er sie. Schließlich fuhr sie fort, bedächtig, als würde sie laut denken: “Ich habe versucht, es zu verstehen. Ich habe es ehrlich versucht … Weshalb? … Das Übliche, nehme ich an … Um ihren Willen zu bekommen.”
Hastig schritt er von ihr fort, und als er zurückkam, nah an sie heran, war sein Gesicht gerötet.
“Es schein auch Ihr Wille gewesen zu sein – damals”, zischte er mit sengendem Zorn. “Ich musste nicht fragen, ob Sie mich liebten.”
“Heute weiß ich, dass ich dazu gar nicht fähig war”, sagte sie ruhig. “Wäre ich es gewesen, Sie hätten mich vielleicht nicht geheiratet.”
“Es ist wohl klar, dass ich es nicht getan hätte, wenn ich Sie damals gekannt hätte – wie ich Sie heute kenne.”

 

Joseph Conrad (3 december 1857 – 3 augustus 1924)

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Franz Josef Degenhardt, F. Sionil José, France Prešeren, Jules Claretie, Ludvig Holberg

De Duitse dichter, folkzanger en jurist Franz Josef Degenhardt werd geboren op 3 december 1931 in Schwelm. Franz Josef Degenhardtoverleedop 14 november van dit jaar op 79-jarige leeftijd. Zieook mijn blog van 3 december 2008 en ook mijn blog van 3 december 2010.

 

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,

sing nicht ihre Lieder.

Geh doch in die Oberstadt,

machs wie deine Brüder!

So sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor.

Er schlich aber immer wieder durch das Gartentor

und in die Kaninchenställe, wo sie Sechsundsechzig spielten

um Tabak und Rattenfelle –

Mädchen unter Röcke schielten –

wo auf alten Bretterkisten

Katzen in der Sonne dösten –

wo man, wenn der Regen rauschte,

Engelbert, dem Blöden, lauschte,

der auf einen Haarkamm biß,

Rattenfängerlieder blies.

Abends am Familientisch, nach dem Gebet zum Mahl,

hieß es dann: Du riechst schon wieder nach Kaninchenstall.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,

sing nicht ihre Lieder.

Geh doch in die Oberstadt,

mach´s wie deine Brüder!

Sie trieben ihn in eine Schule in der Oberstadt,

kämmten ihm die Haare und die krause Sprache glatt.

Lernte Rumpf und Wörter beugen.

Und statt Rattenfängerweisen

mußte er das Largo geigen

und vor dürren Tantengreisen

unter roten Rattenwimpern

par cur Kinderszenen klimpern –

und, verklemmt in Viererreihen,

Knochen morsch und morscher schreien –

zwischen Fahnen aufgestellt

brüllen, daß man Freundschaft hält.

Schlich er manchmal abends zum Kaninchenstall davon,

hockten da die Schmuddelkinder, sangen voller Hohn

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern …

Aus Rache ist er reich geworden. In der Oberstadt

hat er sich ein Haus gebaut. Nahm jeden Tag ein Bad.

Roch, wie bessre Leuten riechen.

Lachte fett, wenn alle Ratten

ängstlich in die Gullys wichen,

weil sie ihn gerochen hatten.

Und Kaninchenställe riß er

ab. An ihre Stelle ließ er

Gärten für die Kinder bauen.

Liebte hochgestellte Frauen,

schnelle Wagen und Musik,

blond und laut und honigdick.

Kam sein Sohn, der Nägelbeißer, abends spät zum Mahl,

roch er an ihm, schlug ihn, schrie: Stinkst nach Kaninchenstall.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern …

Und eines Tages hat er eine Kurve glatt verfehlt.

Man hat ihn aus einem Ei von Schrott herausgepellt.

Als er später durch die Straßen

hinkte, sah man ihn an Tagen

auf ´nem Haarkamm Lieder blasen,

Rattenfell am Kragen tragen.

Hinkte hüpfend hinter Kindern,

wollte sie am Schulgang hindern

und schlich um Kaninchenställe.

Eines Tags in aller Helle

hat er dann ein Kind betört

und in einen Stall gezerrt.

Seine Leiche fand man, die im Rattenteich rumschwamm.

Drumherum die Schmuddelkinder bliesen auf dem Kamm:

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern …

 


Franz Josef Degenhardt (3 december 1931 – 14 november 2011)

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