De Nederlandse schrijver A. F. Th. van der Heijden werd geboren in Geldrop op 15 oktober 1951. Zie ook alle tags voor A. F.Th. van der Heijden op dit blog.
Uit: Das Scherbengericht (Vertaald door Helga van Beuningen)
1.
Der Bart brannte ihm im Gesicht. Es fühlte sich an, als stäche jedes der harten Haare einzeln. Warum seine Haut so glühte, ob vor Juckreiz oder Scham, wußte er nicht. An einen Bart war er nicht gewöhnt. Wenn die Aufseher mal einen Augenblick nicht auf ihn achteten, wagte er es, sich mit zwei Fingern gleichzeitig zu kratzen, wobei er die Nägel tief zwischen die Haarwurzeln grub. Doch jedesmal, wenn er den Juckreiz geortet zu haben glaubte, sei es am Kinn, sei es an der Wange, hatte sich das Kribbeln rasend schnell woandershin bewegt und tauchte in der Nähe eines Ohrs auf, unter der
Nase oder im Bereich des Adamsapfels. Am liebsten hätte er mit beiden Händen in seinem Gestrüpp gewühlt – hätten Scham und Handschellen es ihm nicht verwehrt.
2.
Vor zwei Monaten hatte sein Anwalt, Douglas Dunning von der Kanzlei Dunning & Hendrix, ihm geraten, vorsorglich etwas an seinem Äußeren zu ändern. »Für eine graue Maus, die mein und dein verwechselt hat, ist Choreo schon kein Ferienparadies. Geschweige denn für eine Berühmtheit wie
dich. Und dann noch bei einer solchen Anschuldigung.«
Dunnings Stimme klang noch hohler und trockener als gewöhnlich. Seine langen Hände, sonst immer hackend in Bewegung, um seiner eintönigen Rede Profil zu verleihen, hingen ihm schlaff zwischen den Oberschenkeln. Genauso viele schlechte Zeichen, wie Finger an ihnen saßen.
»Ach, Doug, diese angebliche Berühmtheit … das empfinde ich überhaupt nicht so. Schauspieler, die auf dem Strip erkannt werden, ja, klar. Meine Tätigkeit habe ich immer als dienenden Beruf betrachtet. Agieren im Off … Im Schatten.«
»Kann man wohl sagen.«
»Nach Choreo werde ich völlig unsichtbar.«
»Ich weiß«, sagte der Anwalt müde. »Das olympische Feuer vor dem Grab des Unbekannten … sag’s noch mal. Aber nicht: Soldaten.«
»Ich bin reif für ein inneres Exil.«
»Verbannt wirst du jetzt erst mal nach Choreo. Äußerst sichtbar. Um nicht zu sagen … ins Auge springend. Du mit deinem tragischen Hintergrund. Dein Leben ist noch viel mehr Allgemeinbesitz als das deiner Kollegen. Und dazu gehört ein Gesicht.«
»Hört das denn nie auf ? Vor acht Jahren hat man mein eigenes Unglück auch schon gegen mich verwandt. Undjetzt …«

A. F.Th. van der Heijden (Geldrop, 15 oktober 1951)
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