Dolce far niente, Mano Bouzamour, Marc Degens, Ulrich Woelk, Caroline Emcke, Nicole Krauss, Luciano de Crescenzo, Samar Yazbek, Idea Vilariño

Dolce far niente

 

amsteldijk
De Amsteldijk, 1918 door Martin Monnickendam
Vanuit het raam van zijn atelier aan de Lutmastraat schilderde Monnickendam de achtergevels van de huizen aan de Amsteldijk en de Tolstraat.

 

Uit: Bestsellerboy

“Opgroeien in zo’n buurt betekende dat je rond je twaalfde een bachelor in boeverij had. Je zag alles, hoorde de verhalen, leerde alles bij elkaar te liegen en vooral niemand te vertrouwen. Als je mij zou vragen of ik ooit iets heb geflikt, zou ik de politicistrategie aanhouden: glashard ontkennen en over een ander onderwerp beginnen.
Maar meestal voetbalden wij tot de avond viel, de straatlantaarns gelijktijdig aangingen en onze moeders ons naar binnen schreeuwden. De grote jongens bewogen niet. Ze kaartten tot die in de nacht onder het bankje met het gele afdakje, waarin alle bijnamen van de jongens uit de buurt met vlindermessen waren gekerfd terwijl ze red Label met cola uit witte plastic bekers dronken en hun hoofden op de beat van der zwartste gangsterrappers bounceten. Op het afdakje werden vredelievende leuzen gekalkt als VERBODEN VOOR JODEN en JODEN-DOM, CHRISTEN-DOM, MO-SLIM.

De drie gebroeders zagen het allemaal gebeuren. Een hoge wind blies van boven naar beneden op alle bladerpracht, waarna de bomen welwillend over het plein bogen, het ruisende geluid golfde over de Lutmastraat zo mijn oren in. Ik stelde mij de sterke wortels van de gebroeders voor, die als reuzenhanden met wijdverspreide vingers diep in de natte grond staken. Net zo diep als mijn gevoelens voor hen, dit plein en alles wat er gebeurd was op dit stukje speelplaats – de tijd had verdomd veel haast. De prachtige populieren waren de trouwe bewakers van mijn fijne jeugdherinneringen – die door alle jaren heen vast alleen maar onverschillige blikken vingen. Dat stak mij iedere dag. Dus iedere keer als ik ze zag, begroette ik ze met een eerbiedige hoofdbuiging, als goden die ik liefhad.”

Mano Bouzamour (Amsterdam, 19 maart 1991)
De Lutmastraat in Amsterdam

 

De Duitse schrijver Marc Degens werd geboren op 18 augustus 1971 in Essen. Zie ook alle tags voor Marc Degens op dit blog.

Uit: Fuckin Sushi

„ZURG: Hast du keine Probleme damit?
NINO: Die Jungs haben eher ein Problem mit mir.
ZURG: Wer komponiert eure Songs?
R@: Wir alle zusammen.
ZURG: Und wer schreibt eure Texte?
R@: Ich.
ZURG: Allein?
R@: Ja klar.
ZURG: Ich kannte bislang von euch nur Promi Shopping Queen, und das kennen ja auch die meisten. Ich finde den Text super, diese kranke Innensicht von diesem Mädchen. Wie bist du auf die Idee gekommen? Liest du viel?
R@: Klar. Ich gucke aber auch fern oder bin im Internet.
ZURG: Und was guckst du so?
R@: Alles Mögliche. Serien, Dokus, Topmodel.
ZURG: Warum singst du eigentlich auf Deutsch und nicht auf Englisch? Immerhin ist euer Bandname ja englisch. Ist das ein Statement?
R@: Ja, dafür, dass ich nicht so gut Englisch kann. Nein, Quatsch, kein Statement. Ich kann mich einfach auf Deutsch viel besser ausdrücken.
ZURG: Und damit habt ihr auch Riesenerfolg. Euer Video von Promi Shopping Queen wurde schon über 450.000-mal auf Youtube angeklickt.“

Marc Degens (Essen,  18 augustus 1971)

 

De Duitse schrijver Ulrich Woelk werd geboren op 18 augustus 1960 in Beuel bij Bonn. Zie ook alle tags voor Ulrich Woelk op dit blog.

Uit: Nacht ohne Engel

“Eigentlich würde Vincent bei einer Fahrt vom südlichen Stadtrand in die Innenstadt mehr verdienen, aber er mag das alte Tegeler Terminal mit seiner Siebzigerjahre-Architektur und den Schleiern aus verwaschenem Grau auf dem Beton. Das Aufheulen der Triebwerke einer startenden Maschine dringt gedämpft ins Wageninnere, als er an den nummerierten Eingängen zu den Gates vorbeifährt. Ursprünglich sollte der Flugbetrieb hier schon eingestellt sein, aber die Fertigstellung des neuen Berliner Flughafens in Schönefeld zieht sich aufgrund von Problemen, von denen es immer wieder heißt, man habe sie im Griff, seit Jahren hin. Offenbar ist es doch nicht so leicht, das Alte so mir nichts, dir nichts durch etwas Neues zu ersetzen. Zugegebenermaßen, auch wenn ihn das manchmal nachdenklich stimmt, weil er befürchtet, es könnte mit seinem eigenen Alter zusammenhängen – er wird in ein paar Monaten fünfzig –, freut ihn das in diesem Fall.
Vincent lässt den Wagen am Taxistand an den Bordstein rollen und schaltet den Motor ab. Es ist acht Uhr morgens, seine übliche Zeit. Die Zahl der Reisenden, die aus dem Hauptgebäude kommen, schwankt im Rhythmus der landenden Maschinen. Als er einen Blick auf den nächstgelegenen Ausgang wirft, verlässt dort eine Frau das Gebäude. Ihre Augen brauchen ein paar Momente, um sich an die Helligkeit im Freien zu gewöhnen. In der kühlen und klaren Märzluft sind alle Farben sehr satt. Die Frau muss sich kurz orientieren, dann überquert sie die Straße und geht auf den Stand mit den wartenden Taxis zu. Dort verteilen sich die Ankommenden auf die Wagen, oder sie gehen weiter zu den privaten Parkplätzen im Zentrum des Terminals.
Mit den Jahren entwickelt man ein Gespür dafür, ob jemand ein Fahrgast ist oder nicht, und schließlich weiß Vincent, dass die Frau, die auf seinen Wagen zukommt, bei ihm einsteigen wird, da die Reihe nun an ihm ist. Er öffnet die Tür und steigt aus, um den Kofferraum zu öffnen. Die Sonne schwebt knapp über dem Beton des Hauptgebäudes. Ihre Strahlen hinterlassen auf der Haut, der Stirn und den Händen den Eindruck einer ersten leichten Wärme, eine Spur von Frühling.
Die Frau ist schlank und trägt eine sandfarbene, sehr gut geschnittene Wolljacke mit großem Kragen und großen marmorierten Knöpfen. Sie ist beruflich in Berlin, das weiß Vincent sofort. Sie zieht einen kleinen Trolley hinter sich her, und neben ihrer Handtasche hängt eine schmale schwarze Tasche im Format eines Netbooks von ihrer Schulter. Alssie ein paar Meter entfernt ist, nickt sie ihm zu.“

Ulrich Woelk (Beuel, 18 augustus 1960)


De Duitse schrijfster en journaliste Caroline Emcke werd geboren op 18 augustus 1967 in Mülheim an der Ruhr. Zie ook alle tags voor Caroline Emcke op dit blog.

Uit: Wie wir begehren

„Für eine Raucherecke, wie es sie später geben sollte, waren wir zu jung oder zu wenig verwegen. Vielleicht hatten wir auch einfach zu wenig Phantasie, wie sich die Lust an der Grenzüberschreitung ausdrücken sollte.
Wir wollten nicht, weder Daniel noch ich. Etwas verstohlen schauten wir uns an. Wir kannten uns ja gar nicht. Von welcher Grundschule Daniel auf dieses Gymnasium gewechselt war, wusste ich nicht. Aber ich wusste, dass ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Er hatte blonde Haare und weit auseinanderstehende grüne Augen. Er war ein bisschen größer als ich, aber nicht viel. Seine Schultern waren eckig. Die Arme etwas zu lang. Aber auch das ist mir damals bestimmt nicht aufgefallen. Schließlich war bei jedem von uns irgendetwas zu lang oder zu kurz, war jeder von uns irgendwie leicht daneben, und sei es nur, weil wir dachten, die anderen könnten das von uns denken. Daniel hatte eine angenehme Erscheinung. Es gab keinen Grund, warum er ausgewählt wurde in diesem Moment am ersten Schultag. Es war wahllos. Es traf einfach uns.
Ich wusste nicht richtig, was das sollte, warum wir uns denn schlagen sollten. Daniel hatte mir nichts getan. Es gab kein Motiv. Ich hatte mich schon oft gerauft. Schon an meinem ersten Tag im Kindergarten. An meinem ersten Tag in der Grundschule auch. Grundsätzlich sprach also nichts gegen eine Prügelei am ersten Tag auf dem Gymnasium. Ich habe einen älteren Bruder. Raufen gehörte zum gewöhnlichen Repertoire des Überlebens. Aber ich musste wütend sein über etwas, das der andere getan hatte, was ich gemein fand.“

Caroline Emcke (Mülheim an der Ruhr, 18 augustus 1967)

 

De Amerikaanse schrijfster Nicole Krauss werd geboren in New York op 18 augustus 1974. Zie ook alle tags voor Nicole Krauss op dit blog.

Uit: The History of Love

“After Mrs. Freid on the fourth floor died, and it took three days before anyone found her, Bruno and I got into the habit of checking on each other. We’d make little excuses—I ran out of toilet paper, I’d say when Bruno opened the door. A day would pass. There would be a knock on my door. I lost my TV Guide, he’d explain, and I’d go and find him mine, even though I knew his was right there where it always was on his couch. Once he came down on a Sunday afternoon. I need a cup of flour, he said. It was clumsy, but I couldn’t help myself. You don’t know how to cook. There was a moment of silence. Bruno looked me in the eye. What do you know, he said, I’m baking a cake.
When I came to America I knew hardly anyone, only a second cousin who was a locksmith, so I worked for him. If he had been a shoemaker I would have become a shoemaker; if he had shoveled s*** I, too, would have shoveled. But. He was a locksmith. He taught me the trade, and that’s what I became. We had a little business together, and then one year he got TB, they had to cut his liver out and he got a 106 temperature and died, so I took it over. I sent his wife half the profits, even after she got married to a doctor and moved to Bay Side. I stayed in the business for over fifty years. It’s not what I would have imagined for myself. And yet. The truth is I came to like it. I helped those in who were locked out, others I helped keep out what couldn’t be let in, so that they could sleep without nightmares.
Then one day I was looking out the window. Maybe I was contemplating the sky. Put even a fool in front of the window and you’ll get a Spinoza. The afternoon passed, darkness sifted down. I reached for the chain on the bulb and suddenly it was as if an elephant had stepped on my heart. I fell to my knees. I thought: I didn’t live forever. A minute passed. Another minute. Another. I clawed at the floor, pulling myself along toward the phone.
Twenty-five percent of my heart muscle died. It took time to recover and I never went back to work. A year went by. I was aware of time passing for the sake of itself. I stared out the window. I watched fall turn into winter. Winter into spring. Some days Bruno came downstairs to sit with me. We’ve known each other since we were boys; we went to school together. He was one of my closest friends, with thick glasses, reddish hair that he hated, and a voice that cracked when he was emotional. I didn’t know he was still alive and then one day I was walking down East Broadway and I heard his voice. I turned around. His back was to me, he was standing in front of the grocer’s asking for the price of some fruit.”

Nicole Krauss (New York, 18 augustus 1974)


De Italiaanse schrijver Luciano de Crescenzo werd geboren in Napels op 18 augustus 1928. Zie ook alle tags voor Luciano de Crescendo op dit blog.

Uit: Geschichte der griechischen Philosophie (Vertaald door Linde Birk)

»Von Lysias, dem Sohn des Kephalos, lieber Sokrates! Und ich mache mich auf zu einem Spaziergang außerhalb der Mauer; denn ich habe geraume Zeit dort verweilt – vom frühen Morgen an saß ich da. Ich folge dem Rat deines und meines Freundes Akumenos, wenn ich meine Spaziergänge an die frische Luft verlege; denn sie seien weniger ermüdend, sagt er, als in den Hallen der Gymnasien.«
So nämlich beginnt einer der schönsten Dialoge Platons: der Phaidros. Tatsache ist, dass diese Athener nichts Produktives machten: Sie gingen spazieren, schwatzten über Gott und die Welt, aber dass sie einmal einen Finger gerührt und etwas Praktisches zum Verkaufen oder Gebrauchen hergestellt hätten, keine Rede davon! Aber vergessen wir nicht, dass Athen damals 20000 Bürger hatte, auf die die stolze Zahl von 200000 Individuen zweiter Klasse, nämlich Sklaven und Metöken2, kamen. Genug Leute also, die die Arbeit machten und das Ganze in Gang hielten. Andererseits waren die Athener ja auch noch unberührt vom Konsumzwang, sie lebten genügsam und widmeten sich ganz den Freuden des Geistes und des Gespräches.
Aber zurück zur Philosophie und meinen Absichten.
Die Philosophie ist eine lebenswichtige Praxis, auch im Alltag sehr nützlich, leider aber wurde ihr Studium nie zwangsweise eingeführt wie etwa die allgemeine Wehrpflicht. Wenn es nach mir ginge, würde ich sie in den Lehrplan jeder Schule aufnehmen; doch fürchte ich, man sieht sie heute als eine überholte Materie an und will sie durch die modernen ›Human- und Sozialwissenschaften‹ ersetzen – {12}was ungefähr auf das Gleiche herauskommt, wie wenn man das Studium der Arithmetik abschaffte, nachdem die Grünkramhändler ja jetzt mit dem Computer rechnen.
Aber was ist das überhaupt, die Philosophie? Wenn das so schnell und einfach zu definieren wäre! Der Mensch hat die höchsten Gipfel der Kultur vor allem auf dem Weg über zwei Disziplinen erreicht: die Wissenschaft und die Religion. Während die Wissenschaft Naturerscheinungen mit Hilfe des Verstandes untersucht, forscht die Religion, um ein inneres Bedürfnis des Menschen zu befriedigen, nach etwas Absolutem, etwas, das über die rein sinnesmäßige und intellektuelle Erkenntnisfähigkeit hinausgeht.“

Luciano de Crescenzo (Napels, 18 augustus 1928)


De Syrische schrijfster en journaliste Samar Yazbek werd geboren in Jableh op 18 augustus 1970. Zie ook alle tags voor Samar Yazbek op dit blog.

Uit: Schrei nach Freiheit. Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution (Vertaald door Larissa Bender)

„Bis zu jenem Augenblick glaubte ich noch, sie würden mich für lange Zeit ins Gefängnis stecken. Ich hatte begriffen, dass ihre Wut auf mich grenzenlos war. Ich vernahm das Geräusch seiner Schritte, spürte, wie er seine Hand ausstreckte und mich hochzog. Ich weiß nicht genau, wie er mich auf den Stuhl setzte, aber als ich aufrecht saß und meinen Kopf gerade halten konnte, hörte das Schaukeln in meinem Kopf auf. «Was für eine großartige Heldin!», lachte er. «Ein Schlag, und schon bist du hinüber!»
Ich öffnete die Augen. Ich weinte nicht. Ich wollte weinen, weil der Schlag demütigend gewesen war, aber ich würde ihn meine Tränen nicht sehen lassen. Ich starrte ihn an. Nachdem er mit den Fingern über meine Wange gestrichen hatte, sagte er: «Ist das nicht eine Schande, wenn so ein Engelsgesichtchen geschlagen wird?»
Er setzte sich wieder auf seinen Stuhl, dann hob er zu einem langen Vortrag über die Bande des Blutes und der Verwandtschaft an, über Familie, Verrat, Schande und die ganze Litanei, die ich seit Jahren zu hören bekomme. Als er fertig war, starrte ich immer noch auf seine Hand und seine Finger, die vermutlich ihre Spuren auf meiner Wange hinterlassen hatten, rote Spuren, die in den nächsten zwei Tagen blau anlaufen würden.
«Hat die Katze deine Zunge gefressen?», fragte er. «Deine lange Zunge, die man dir rausreißen muss?» Er schlug mich ein zweites Mal, diesmal weniger heftig. Ich erhob mich, zückte mein Messer und hielt es ihm vors Gesicht. Wenn er nicht aufhöre, mich zu schlagen, würde ich mir dieses Messer ins Herz stoßen, sagte ich zu ihm. Ich würde weder ihm noch jemand anderem erlauben, meine Würde zu verletzen. Wie vom Donner gerührt sprang er auf und glotzte auf das schwarze Messer. Er wich einige Schritte zurück, ich hatte den Knopf des Messers schon gedrückt, die Klinge war ausgeklappt, und ich zielte damit direkt auf mein Herz, dessen Schläge ich nun hören konnte.
Bleiernes Schweigen. Er war verblüfft, kam wieder auf mich zu, und ich trat einen Schritt zurück: «Nicht näher kommen!» Er blieb stehen, blickte mich erstaunt an, während ich ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, in die Augen starrte. Ich schrie: «Was wollt ihr?» – «Wir haben Angst um dich. Du lässt dich von Salafisten verführen und du glaubst ihren Märchen.» – «Ich glaube niemandem. Ich bin immer wieder auf die Straßen gegangen und habe keine Salafisten gesehen. Aber ich habe gesehen, wie ihr die Leute schlagt und verhaftet und tötet.» – «Weil sie Salafisten sind.» – «Das stimmt nicht, ich weiß das, und ihr wisst das genauso.» –

Samar Yazbek (Jableh, 18 augustus 1970)

 

De Uruguayaanse dichteres Idea Vilariño werd geboren op 18 augustus 1920 in Montevideo. Zie ook alle tags voor Idea Vilariño op dit blog.

 

Saying no….

Saying no
Saying no
tying me to the mast
but
wishing for the wind to knock it down
for the siren to rise up and with her teeth
cut the cords and drag me to the bottom
saying no no no
yet following her.

 

Love/El amor

A bird is singing to me
and I sing back to him
He twitters upon hearing me
And I twitter back
He injures me and I bleed on him
He smashes me
I break him
He tears me apart
I crush him
He helps me
I pick him up
All filled up with peace
with war
with hate and love
and once untied
his voice whines and I whine back
He laughs and I laugh back
He looks at me and I look at him
He talks to me and I talk to him
He loves me and I love him
– It’s got nothing to do with love
we produce life –
and he asks me and I ask him
and he defeats me and I defeat him
and he completes me and I complete him.

Idea Vilariño (18 augustus 1920 – 28 april 2009)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 18e augustus ook mijn blog van 18 augustus 2017 en ook mijn blog van 18 augustus 2016 en ook mijn blog van 18 augustus 2013 deel 1 en ook deel 2.

Caroline Emcke

De Duitse schrijfster en journaliste Caroline Emcke werd geboren op 18 augustus 1967 in Mülheim an der Ruhr. Zie ook alle tags voor Caroline Emcke op dit blog.

Uit: Wie wir begehren

„Vermutlich waren sie deswegen da, die älteren Schüler, weil dies der einzige Moment im Jahr war, an dem sie sich rächen konnten. Ich weiß noch, dass sie mir ein wenig leidtaten, die Lehrer, die sich da ausliefern mussten. Und ich weiß noch, dass mir diese Atmosphäre des kollektiven Urteils, das ich als solches damals gar nicht hätte benennen können, unheimlich war.
Wir verfolgten nur die alphabetischen Namenslisten, warteten unseren Buchstaben ab, hörten unseren Namen und bangten dann, ob auch all die vertrauten Freunde aus der Grundschule genannt würden. Ich hatte Glück. Meine liebsten Spielgefährten aus den vorangegangenen Jahren wurden alle derselben Klasse zugeteilt. Wer die anderen Unbekannten waren, die folgten, war gleichgültig. Entscheidend war nur, nicht allein in diese neue Welt gestoßen zu werden. Dann löste die Versammlung sich auf, die Eltern verabschiedeten sich, und wir gingen in der gerade neusortierten Gruppe hinter der neuen Klassenlehrerin die Treppen zum Gebäude der fünften und sechsten Klassen hinunter. Wir waren etwas abseits, am Fuß des Hügels, in einer eigenen versunkenen Welt, nicht mehr ganz Grundschule, aber auch noch nicht Gymnasium.
Und da standen wir nun. An der Ecke von diesem Fußballfeld. Gleich neben dem mit Brennnesseln bewachsenen Abhang. In einer der ersten Pausen. Sie muss eine kurze Pause gewesen sein. Die lange Pause wurde immer als wirkliche Pause, also zum Fußballspielen genutzt. Die kurzen taugten für nichts Halbes und nichts Ganzes. Da unten, bei den Unterstufengebäuden, gab es keinen Bäcker, keine Eisdiele, nichts, wohin man eben mal hätte verschwinden können.“

 
Caroline Emcke (Mülheim an der Ruhr, 18 augustus 1967)

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 voor Caroline Emcke

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 voor Caroline Emcke

Aan de Duitse schrijfster en journaliste Caroline Emcke werd gisteren in de Frankfurter Paulskerk de Friedenspreis des Deutschen Buchhandels uitgereikt. Caroline Emcke werd op 18 augustus 1967 in Mülheim an der Ruhr geboren. Zie ook alle tags voor Caroline Emcke op dit blog.

Uit: Gegen den Hass

“Manchmal frage ich mich, ob ich sie beneiden sollte. Manchmal frage ich mich, wie sie das können: so zu hassen. Wie sie sich so sicher sein können. Denn das müssen die Hassenden sein: sicher. Sonst würden sie nicht so sprechen, so verletzen, so morden. Sonst könnten sie andere nicht so herabwürdigen, demütigen, angreifen. Sie müssen sich sicher sein. Ohne jeden Zweifel. Am Hass zweifelnd lässt sich nicht hassen. Zweifelnd könnten sie nicht so außer sich sein. Um zu hassen braucht es absolute Gewissheit. Jedes Vielleicht wäre da störend. Jedes Womöglich unterwanderte den Hass, zöge Energie ab, die doch gerade kanalisiert werden soll.
Gehasst wird ungenau. Präzise lässt sich nicht gut hassen. Mit der Präzision käme die Zartheit, das genaue Hinsehen oder Hinhören, mit der Präzision käme jene Differenzierung, die die einzelne Person mit all ihren vielfältigen, widersprüch¬lichen Eigenschaften und Neigungen als menschliches Wesen erkennt. Sind die Konturen aber erst einmal abgeschliffen, sind Individuen als Individuen erst einmal unkenntlich gemacht, bleiben nur noch unscharfe Kollektive als Adressaten des Hasses übrig, wird nach Belieben diffamiert und entwertet, gebrüllt und getobt: die Juden, die Frauen, die Ungläubigen, die Schwarzen, die Lesben, die Geflüchteten, die Muslime oder auch die USA, die Politiker, der Westen, die Polizisten, die Medien, die Intellektuellen.
Der Hass richtet sich das Objekt des Hasses zurecht. Es wird passgenau gemacht.
Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse, gegen »die da oben« oder »die da unten«, immer ist es das kategorial »Andere«, das das »Eigene« unterdrückt oder bedroht, das »Andere« wird als vermeintlich gefährliche Macht oder als vermeintlich minderwertiges Ding phantasiert – und so wird die spätere Misshandlung oder Vernichtung nicht bloß als entschuldbare, sondern als notwendigeMaßnahme aufgewertet. Der Andere ist der, den man straflos denunzieren oder missachten, verletzen oder töten kann.
Diejenigen, die diesen Hass am eigenen Leib erleben, die ihm ausgesetzt sind, auf der Straße oder im Netz, abends oder am helllichten Tag, die Begriffe aushalten müssen, die eine ganze Geschichte der Missachtung und Misshandlung in sich tragen, diejenigen, die diese Mitteilungen erhalten, in denen ihnen der Tod, in denen ihnen sexuelle Gewalt gewünscht oder gar angedroht wird, diejenigen, denen Rechte nur teilweise zugedacht werden, deren Körper oder Kopfbedeckung verachtet werden, die sich maskieren müssen aus Angst, angegriffen zu werden, diejenigen, die nicht aus dem Haus können, weil davor eine brutalisierte, gewaltbereite Menge steht, deren Schulen oder Synagogen Polizeischutz brauchen, alle diejenigen, die der Hass zum Objekt hat, können und wollen sich nicht daran gewöhnen.“

 
Caroline Emcke (Mülheim an der Ruhr, 18 augustus 1967)