De Oostenrijkse dichter en schrijver Anton Wildgans werd geboren op 17 april 1881 in Wenen. Zie ook alle tags voor Anton Wildgans op dit blog.
Abend über der Stadt
Noch zeichnen sich die Türme in die Schicht
grau-finstern Qualms, in den die Stadt versunken.
Nun schwinden sie, bald ist das letzte Licht
von all den vielen Augen aufgetrunken.
Hier oben, wo die letzten Häuser sind,
neigt sich der Tag noch zögernd in die Beete
dunkelnder Gärten, manchmal harft der Wind
im Saitenspiel der Telegraphendrähte.
Ein tiefes Dröhnen pulst von unten her
wie ein gewaltig-dumpfes Ohrensausen,
wenn über Eisenbrücken eisenschwer
die späten Züge ins Gelände brausen.
Da – eine Kuppel, die in Flammen steht –
wölbt purpurn sich der Mond aus Häusermassen,
nun schwebt er auf und steigt wie ein Gebet,
um hoch im Äther silbern zu verblassen.
Jetzt geben in der Stadt die Glocken Laut
gleich Hunden, die im Schlaf den Mond anwimmern,
und, wie aus bläulichem Metall gebaut,
glimmern die Dächer – Lichterreihen schimmern!
Einem, der ein Dichter ist
Ich bin ein Kind der Stadt. Von Häuserquadern
Ist mir der Blick in Straßen eingeengt.
Schwer, wie sich Volk des Abends heimwärtsdrängt,
Rinnt mir ein dunkler Blutstrom durch die Adern.
Mit Gott und mit der Welt und mir zu hadern,
Nach Not zu spüren, dies ist mir verhängt,
Doch nicht zu heilen, wo ein Leid bezwängt,
Nein, nur mit Worten dran herumzuhadern.
Du aber spendest mit berauschtem Tun
Aus dieser Erde königlicher Fülle.
Da sinkt von uns die graue Bettlerhülle,
Und Flügel wachsen unsern Alltagsschuhen.
Die tragen uns in eine stille Stille,
Wo Lächeln ist und träumerisches Ruhn.

Anton Wildgans (17 april 1881 – 3 mei 1932)








